Ärzte Zeitung, 19.03.2007

Retard-Präparat beugt chronischen Schmerzen vor

Frühe Therapie ist ratsam

FRANKFURT AM MAIN (ner). Chronische Schmerzen lassen sich durch eine frühe Therapie mit möglichst langwirksamen Substanzen verhindern. Schmerzexperten plädieren dafür, viel eher Opioide zu verordnen als bislang üblich. Retard-Präparate wirken dabei einer Toleranz entgegen.

Schmerzen werden chronisch, wenn der Reiz immer wiederkehrt oder wenn er dauerhaft wirkt. Das sagte Dr. Gerhard Müller-Schwefe beim Deutschen Schmerztag in Frankfurt am Main. Opioide seien hochwirksame und gut verträgliche Substanzen. Im Unterschied zu Enzymblockern wie den nichtsteroidalen Antirheumatika stimulieren sie Reaktionswege im Körper.

Allerdings kommt es bei der Behandlung mit kurz wirksamen Opioiden immer wieder zu Schmerzdurchbrüchen. Die Patienten verlangen dann immer höhere Dosen in immer kürzeren Abständen - die Toleranz ist programmiert, wie der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie erläuterte.

Deshalb sprach er sich dafür aus, Opioide mit ausreichend langer Retardierung zu verordnen. Infrage kommen sie zum Beispiel bei Schmerzen des Bewegungsapparates, neuropathischen oder Tumorschmerzen. Zugleich müssten die Substanzen gut steuerbar sein und dürften bei Niereninsuffizienz nicht kumulieren, so Müller-Schwefe bei einem Symposium des Unternehmens Janssen-Cilag. Unter diesen Aspekten erweise sich Hydromorphon als geeignete Substanz. Damit lasse sich frühzeitig einer Chronifizierung der Schmerzen vorbeugen.

Der Quellkörper pumpt den Wirkstoff durch eine Hülle

Die osmotisch regulierte Retardgalenik des Präparates Jurnista® ermögliche die einmalige Applikation alle 24 Stunden. Die osmotisch aktive Formulierung OROS® (orales osmotisches System) besteht aus einer festen, semipermeablen Zellulosehülle, die dünn ummantelt ist. In der Hülle befindet sich ein Quellkörper und Hydromorphon. Im Körper löst sich die Ummantelung auf, Wasser dringt durch ein kleines Loch ein.

Der Quellkörper dehnt sich aus und pumpt den Wirkstoff kontinuierlich durch die Öffnung. Die Resorption sei unabhängig von Magen-Darm-Motilität und -Inhalt, so der Kollege vom Schmerz- und Palliativzentrum Göppingen. Nach einem Tag wird das Präparat inaktiv und über den Stuhl ausgeschieden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Demenz oder Depressionen?

Benennen ältere Patienten von sich aus kognitive Defizite, sollten Ärzte hellhörig werden: Häufig liegt dann keine Demenz, sondern eine Depression vor. mehr »