Ärzte Zeitung, 03.04.2007

Schlafstörungen bei drei Viertel der Schmerzkranken

Schmerzschwelle wird gesenkt

FRANKFURT AM MAIN (mar). Schlafstörungen und Angst sind bei Patienten mit chronischen Schmerzen häufig. So leiden nach Angaben von Professor Göran Hajak aus Regensburg drei Viertel der Patienten unter Schlafstörungen.

Für eine effiziente Therapie muss die Trias Schmerz - Schlafstörung - Angst bei der Wahl der Medikation berücksichtigt werden, betonte der Psychiater beim Schmerztag in Frankfurt am Main. Schmerzen stören den Schlaf: Bei fast 80 Prozent der Schmerzpatienten beeinträchtigen sie das Einschlafen. 65 Prozent werden durch Schmerzen immer wieder wach, und fast ebenso viele erwachen vorzeitig am Morgen. Entsprechend müde und erschöpft fühlen sich die Betroffenen tagsüber.

Durch polysomnographische Untersuchungen im Schlaflabor ist belegt, dass Schmerzen das gesamte Schlafprofil beeinträchtigen, erläuterte Hajak auf einem von Pfizer unterstützten Symposium. Besonders Zahl und Dauer der für die Erholung wichtigen Tiefschlafphasen seien reduziert. Nicht erholsamer Schlaf wiederum führt nicht nur zu Vigilanzstörungen und Leistungseinbußen, sondern senkt auch die Schmerzschwelle. Schmerzreize lösen so stärkere Schmerzen aus.

Kollegen sollten ihre Schmerzpatienten daher immer auch nach Schlafstörungen oder auch Angstsymptomen fragen, so Hajak. Denn diese Begleiterkrankungen seien für die Wahl der Therapie wichtig. Für die betroffenen Patienten geeignet seien entweder die dual wirksamen Antidepressiva Duloxetin und Venlafaxin oder das Antikonvulsivum Pregabalin (Lyrica®®).

Pregabalin lindere Schmerzen und Angst dosisabhängig: Gute Effekte auf den Schlaf zeigten sich bereits in niedrigen Dosierungen unter 100 mg, die schmerzlindernde Wirkung komme erst bei höherer Dosierung zum Tragen, sagte Hajak. Pregabalin erhöhe den Anteil der Tiefschlafphasen, Benzodiazepine täten dies dagegen nicht.

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