Ärzte Zeitung, 06.03.2008
 

Schmerztherapeuten lassen sich nicht bevormunden

Schmerztag in Frankfurt / Tagungspräsident Müller-Schwefe spricht von gezieltem Kesseltreiben gegen Kollegen / Prüfungsausschuss in der Kritik

FRANKFURT AM MAIN (ner). Mit heftigen Angriffen auf die derzeitige Gesundheitspolitik ist der Deutsche Schmerztag in Frankfurt am Main eröffnet worden. Effiziente Therapiekonzepte würden verhindert, der Druck auf Schmerztherapeuten mit Wirtschaftlichkeitsprüfungen erhöht, so Tagungspräsident Dr. Gerhard Müller-Schwefe.

Als "gezieltes Kesseltreiben" bezeichnete es Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, dass mit gesundheitspolitischen Maßnahmen die therapeutischen Spielräume von Ärzten stark eingeschränkt würden. Sinnvolle Behandlungen würden beispielsweise dadurch geradezu unmöglich gemacht, dass ärztliche Leistungen systematisch nicht vergütet würden. So überschreite ein Schmerztherapeut bereits beim ersten Kontakt mit einem Schmerzpatienten im Quartal sein Punktzahlgrenzvolumen.

Therapeutische Spielräume müssen erhalten beleiben.

Zugleich wird nach Müller-Schwefes Angaben versucht, weitere Einsparoptionen auszuloten. Er zitierte ein Schreiben des Vorsitzenden des baden-württembergischen Prüfungsausschuss-Vorsitzenden Dr. Peter Schwoerer vom August 2007 an die KV Baden-Württemberg. Demnach reichten die derzeitigen Richtgrößenprüfungen nicht aus, um Arzneimittelausgaben bei Schmerztherapeuten einzudämmen. Schwoerer fordert in dem Brief Einschränkungen bei der Verordnung stark wirksamer Opioide, von Schmerzpflastern sowie bestimmter Koanalgetika. Nach Ansicht Schwoerers haben Schmerztherapeuten ein so großes finanzielles Volumen zur Verfügung, dass dadurch die Schmerztherapie anderer Fachkollegen "irrational beeinflusst wird".

"Das heißt im Klartext: Wenn Schmerztherapeuten ihre Patienten ordentlich versorgen, dann geben sie anderen Fachgebieten ein schlechtes Beispiel, sie eifern dem womöglich nach und die Kosten explodieren", kritisierte Müller-Schwefe und hielt dieser Ansicht entgegen: Die Behandlung von Rückenschmerzpatienten koste pro Jahr et 25 Milliarden Euro. Davon würden 72 Prozent für Frühberentung und Arbeitsunfähigkeit ausgegeben, die Arzneimittelkosten machten dagegen 1,4 Prozent des Gesamtvolumens aus.

Dennoch versuche man beim kleinsten Posten einzusparen. So haben nach Angaben des Göppinger Schmerztherapeuten 80 Prozent seiner Kollegen in Baden-Württemberg mit Regressandrohungen zu kämpfen. Er selbst kenne 20 Schmerztherapeuten, deren Regresse sich auf 3000 bis 150 000 Euro beliefen.

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