Ärzte Zeitung, 17.03.2010

Sexuell missbraucht? Oft folgt dann lebenslanger Schmerz

Deutscher Schmerztag reagiert auf aktuelle Diskussion

FRANKFURT/MAIN (fuh). Bei vier von fünf Menschen mit Ganzkörperschmerzen ist davon auszugehen, dass sie in ihrer Kindheit missbraucht wurden und überfordert waren. Darauf hat Dr. Gerhard Müller-Schwefe zum Auftakt des Deutschen Schmerz- und Palliativtags in Frankfurt hingeweisen.

Sexuell missbraucht? Oft folgt dann lebenslanger Schmerz

Menschen, die als Kind Gewalt erfahren mussten, haben oft ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen. © jeecis / fotolia.com

Missbrauch verursache nicht nur eine psychische Traumatisierung, sondern auch eine nachhaltige Störung der körpereigenen Schmerzkontrolle, sagte Müller-Schwefe, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS) ist. "Die primären Schmerzen, welche die Opfer während einer Misshandlung ertragen müssen, können im Körper unmittelbar Spuren hinterlassen und sich tief in das Schmerzgedächtnis einbrennen" so Müller-Schwefe mit Blick auf die aktuelle Diskussion um sexuellen Missbrauch.

Der Frankfurter Schmerz- und Palliativtag steht in diesem Jahr unter dem Motto "Versorgung in der Breite sichern". Es gebe immer noch erhebliche Versorgungsdefizite, sagte Müller-Schwefe. Auch die Honorierung ärztlicher Leistungen bleibe unbefriedigend. "Die Einführung der Euro-Gebührenordnung hat keine Verbesserung gebracht", kritisierte er, "genau das Gegenteil ist der Fall."

"Der Anspruch auf Schmerztherapie ist ein allgemeines Menschenrecht", stellte der Vorsitzende Richter am Bundesgerichtshof a. D. Klaus Kutzer klar. Der Kampf gegen schwere Schmerzen sei genauso ein Aspekt des menschenwürdigen Existenzminimums wie der Erhalt der zum Lebensunterhalt benötigten Geldmittel, so der Jurist. Jeder auch nur möglicherweise erfolgreiche Versuch schweren Schmerzen vorzubeugen, sie zu beseitigen oder zu lindern, dürfe nicht durch wirtschaftliche Erwägungen unverhältnismäßig behindert werden, sagte Kutzer.

DGS-Vizepräsident Dr. Johannes Horlemann wies auf immer noch gravierende Defizte bei der Umsetzung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung hin (SAPV) hin. "Es wird in Deutschland Orte geben, wo man besser oder schlechter stirbt", sagte er.

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