Ärzte Zeitung online, 07.10.2010

Schmerzmittel vor Marathonlauf birgt Risiken

MANNHEIM (dpa/mar). Marathonläufer, die vor dem Start Schmerzmittel einnehmen, riskieren schwere Komplikationen. Die Gefahr, gesundheitliche Probleme wie Kreislaufversagen, Magen-Darm-Blutungen oder Nierenfunktionsstörungen zu bekommen, ist bei ihnen bis zum Sechsfachen erhöht.

Schmerzmittel vor Marathonlauf birgt Risiken

Fazit der Ärzte: Schmerzmittel vor einem Marathonlauf nutzen wenig und schaden nachhaltig.

© Elisabeth Pérotin / fotolia.com

Das geht aus einer Untersuchung von Dr. Michael Küster vom Schmerz-und Palliativzentrum DGS in Bonn-Bad Godesberg und Professor Kay Brune von der Universität Erlangen hervor, die sie beim diesjährigen Bonn-Marathon gemacht und deren Ergebnisse sie beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim vorgestellt haben.

Von den 3784 Marathonläufern, die an der Untersuchung teilgenommen haben, hatte mehr als die Hälfte (56 Prozent) schon vor dem Start Schmerzmittel eingenommen – meist ohne Verordnung und in zu hohen Dosierungen. Die am häufigsten eingenommenen Wirkstoffe waren Diclofenac (44 Prozent) und Ibuprofen (36 Prozent) sowie Acetylsalicylsäure (6 Prozent).

Schmerzen vor dem Lauf waren allerdings nur bei neun Prozent der Teilnehmer Grund für die Einnahme. Motive für die Schmerzmitteleinnahme der übrigen Teilnehmer waren der Wunsch, während des Marathonlaufs keine Schmerzen zu bekommen, oder die Vorstellung, nach dem Lauf auftretende Muskel- und Gelenkschmerzen damit verringern zu können.

Doch verdeutlichen die Ergebnisse, dass die prophylaktische Einnahme nutzlos, kontraproduktiv und riskant ist. Denn nach dem Marathon berichteten 73 Prozent der Teilnehmer über Muskel- und Gelenkschmerzen, unabhängig davon, ob sie prophylaktisch ein Schmerzmittel eingenommen hatten oder nicht. Die Schmerzen bei denjenigen mit Schmerzmitteleinnahme waren zum Teil sogar stärker ausgeprägt, berichtete Küster.

In der Gruppe der Läufer, die prophylaktisch Schmerzmittel genommen hatten, traten Gesundheitsprobleme zwei bis sechsmal häufiger auf als bei den abstinenten Sportlern. Dazu zählten Magen-Darm-Krämpfe, Magen-Darm-Blutungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Nierenfunktionsstörungen. Schwere Nebenwirkungen wie Nierenversagen kamen ausschließlich in dieser Gruppe vor. „Schmerzmittel vor dem Lauf nutzen wenig und schaden nachhaltig“, lautet daher das Fazit der beiden Experten. Nach ihrer Einschätzung schädigen sich jedes Jahr Tausende von Ausdauersportlern durch die überflüssige und kaum wirksame Einnahme von Schmerzmitteln.

Die beiden Experten raten daher, vor oder während des Marathons oder eines anderen Ausdauersports keine Schmerzmittel einzunehmen. Wichtig sei, regelmäßig zu trinken und in ausreichendem Maße Elektrolyte zuzuführen. Wenn Muskel- und Gelenkschmerzen nach dem Lauf auftreten, reiche es aus, dann ein Schmerzmittel mit genügend Wasser einzunehmen. Infrage kommen Ibuprofen oder Diclofenac in geeigneter Dosis. Acetylsalicylsäure oder Paracetamol sind hier vollends ungeeignet. Wichtig zudem: Nur Personen mit guter Nierenfunktion dürfen überhaupt die Schmerzmittel einnehmen. Sind schon Nierenschäden vorhanden, sind die Mittel kontraindiziert, warnte Brune.

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