Ärzte Zeitung online, 30.08.2011

Nacken- und Kopfschmerzen: oft Migräne

Bei Patienten mit häufigen Nacken- und Kopfschmerzen kann Migräne die gemeinsame Ursache der Beschwerden sein. Diese lässt sich meist schon durch eine eingehende Anamnese und Untersuchung diagnostizieren, sodass dann apparative Untersuchungen überflüssig sind.

HAMBURG (eb). Bei gleichzeitig bestehenden Kopf- und Nackenschmerzen werden teilweise unnötige und kostenintensive Untersuchungen veranlasst, ohne den Zusammenhang zu erkennen.

Ursache der Beschwerden ist oftmals eine Migräne. Darauf weist die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) in einer Mitteilung hin.

Die DMKG berichtet über den Fall einer Patientin, die trotz zahlreicher Besuche bei verschiedenen Fachärzten über viele Jahre an wiederkehrenden Nackenschmerzen litt, die ihre Lebensqualität stark beeinträchtigten.

Erst spät fiel der Zusammenhang mit den gleichzeitig pochenden Stirnkopfschmerzen auf, bei denen die Patientin häufig über Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Übelkeit klagte.

Ein Kopfschmerzexperte diagnostizierte eine Migräne, und durch eine vorbeugende Behandlung mit einem Betablocker und regelmäßigem Ausdauersport bildeten sich sowohl Kopf- als auch Nackenschmerzen zurück.

Nackenschmerzen während einer Attacke sind häufig

"In einer amerikanischen Untersuchung an Migränepatienten litten bis zu 50 Prozent an Übelkeit, einem häufigen Begleitsymptom bei Migräne. Bis zu 70 Prozent beklagten Nackenschmerzen während ihrer Migräneattacken", wird Dr. Tim Jürgens, Neurologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Mitglied der DMKG, in der Mitteilung zitiert.

Damit zählen Nackenschmerzen zu den häufigsten Symptomen bei Migräne, sie lassen sich durch eine wirksame Akuttherapie lindern.

Bei häufigen Attacken (etwa ab als drei bis vier Episoden pro Monat) ist dann auch eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll. Unbedingt ist bei Migräne auch begleitender regelmäßiger Ausdauersport anzuraten, wobei das genaue Wirkprinzip noch unklar ist.

Erklären lässt sich der Zusammenhang zwischen Kopf- und Nackenschmerzen durch Verbindungen zwischen dem Trigeminusnerv, der für die Wahrnehmung von Schmerzen im Gesicht, dem vorderen Teil des Kopfes und den Hirnhäuten zuständig ist, und dem großen Hinterhauptsnerv, der den Hinterkopf und den Nacken innerviert.

Fasern beider Nerven treffen im Gehirn aufeinander, sodass eine durch Migräneattacken bedingte vermehrte Aktivität des Trigeminusnerven über diesen Mechanismus zu Schmerzen im Nacken und Hinterkopf führen kann.

Teilweise werden unnötige Untersuchungen veranlasst

Bei Nackenschmerzen im Zusammenhang mit einer Migräne ist bei normalen Befunden in der Untersuchung des Nervensystems durch einen Neurologen eine weitere Diagnostik entbehrlich, so die DMKG.

Insbesondere Röntgenuntersuchungen, aber auch Kernspintomografien der Halswirbelsäule sind in diesem Zusammenhang meist nicht sinnvoll, denn sie verunsichern Patienten und verursachen außer unnötiger Strahlenbelastung beim Röntgen auch hohe Kosten.

Interdisziplinärer Ansatz bei älteren Patienten ratsam

Anders sieht dies bei älteren Patienten sowie bei Patienten mit Nackenschmerzen ohne zeitlichen Zusammenhang zu einer Migräneattacke aus. "Hier kann die enge Zusammenarbeit mit anderen Fachärzten notwendig werden", so Jürgens.

Denn hinter diesen Beschwerden können sich vielfältige andere Erkrankungen verbergen - von Abnutzungserscheinungen an der Halswirbelsäule bis zum akuten Schlaganfall. Daher können hier ein interdisziplinäres Vorgehen und eine weitere Diagnostik notwendig werden.

Bevor operative Eingriffe an der Halswirbelsäule wegen Nacken- und Kopfschmerzen erfolgen, empfiehlt sich stets die Konsultation eines Neurologen.

Während operative Eingriffe bei einem akuten Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule ihre Berechtigung haben, sollte ausgeschlossen werden, dass es sich um eine Erkrankung handelt, die mit einer konservativen Therapie gut beeinflussbar ist - wie etwa Migräne.

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