Ärzte Zeitung online, 25.02.2013

Kaiserschnitt

Fragen, die wehtun

Auf die Kommunikation kommt es an. Das gilt auch für Patientinnen nach einem Kaiserschnitt: Negative Begriffen zur Diagnostik von Schmerz sollten tabu sein, denn sie fördern die Schmerzempfindung und Ängste.

Fragen, die wehtun

Sectio: Die Mütter reagieren sensibel auf die Fragen der Ärzte.

© Photos.com plus

ADELAIDE. Auf die Wahl der Worte in den Fragen der Schmerzdiagnostik kommt es an, wie stark Frauen nach einem Kaiserschnitt den Wundschmerz empfinden.

Statt schon zu Beginn des Assessments zu fragen "Haben Sie Schmerzen?", könnte es sinnvoller sein, zunächst zu fragen, ob und wie wohl die Patientin sich fühlt, und den Begriff "Schmerz" in den Fragen zu vermeiden, wie eine australische Studie bestätigt.

Um zu klären, wie die Art der Fragen nach Schmerzen die Antworten der Patientinnen beeinflusst, haben Anästhesisten von der Universität Adelaide insgesamt 300 Frauen nach einem Kaiserschnitt je nach Art der Fragen bei der Schmerzdiagnostik in zwei gleich große Gruppen geteilt (Br J Anaesth 2013; online 5. Februar).

In Gruppe P wurden sie gefragt: "Haben Sie Schmerzen?" Die Schmerzstärke in Ruhe und bei Bewegung wurde anhand der numerischen Skalen VNRS und VAS bestimmt.

Zudem wurden die Fragen gestellt: "Beunruhigen Sie die Schmerzen?", "Wie stark auf einer Skala zwischen 0 und 10 beunruhigen Sie die Schmerzen?", "Fühlen Sie sich wohl?" und "Möchten Sie eine zusätzliche Schmerzlinderung?"

In der Gruppe C wurde dagegen Wundschmerz nach dem Kaiserschnitt von den Ärzten eher positiv thematisiert. Zunächst wurde auf den einsetzenden Heilungsprozess und den Beginn der Erholungsphase hingewiesen.

Die erste Frage thematisierte dann nicht den Schmerz, sondern lautete: "Fühlen Sie sich wohl?" In der Folge mussten die Frauen anhand der beiden numerischen Skalen angeben, wie wohl oder unwohl sie sich in Ruhe und bei Bewegung fühlten.

Negative Begriffe vermeiden

Schließlich wurden sie gefragt, ob ihnen die Wunde Sorgen bereite, und wenn ja, wie sehr. Erst zum Schluss kamen die Fragen: "Haben Sie Schmerzen?" und "Möchten Sie eine zusätzliche Schmerzlinderung?"

Bei der Auswertung der Befragungen stellte sich schließlich heraus, dass in Gruppe C nur 18 Frauen (15,1 Prozent), die über Schmerzen berichteten, angaben, sie seien deswegen beunruhigt.

Dagegen war das bei 61 Frauen (55 Prozent) in der Vergleichsgruppe P der Fall, in der ja bereits mit der ersten Frage der Schmerz angesprochen worden war.

Man könnte gewissermaßen sagen "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus." Denn in dieser Gruppe wollten mehr Frauen bevorzugt nach ihren Schmerzen befragt werden als in der Gruppe C.

Die Frage "Haben Sie Schmerzen?" bejahten in den beiden Gruppen etwa gleich viele Frauen (111 beziehungsweise 119 Mütter). Das sei der Hinweis, so die Anästhesisten, dass die Frauen über Schmerzen klagen, wenn sie direkt danach gefragt werden.

Dagegen bejahten in der Gruppe C mit 141 Frauen (94 Prozent) signifikant mehr Patientinnen die Frage "Fühlen Sie sich wohl?" mit "ja" als in Gruppe P (79 Prozent).

Das Ergebnis der Studie bestätige ihre Vermutung, dass nur nach Schmerzen zu fragen und den Schmerzscore zu ermitteln nicht genug Informationen liefere, um zu entscheiden, ob die postoperative Analgesie ausreicht, so die Ärzte.

Zudem würden die Frauen durch diese Art zu fragen ihr Augenmerk zu sehr auf den Schmerz richten. Das Vermeiden von Fragen mit Begriffen, die negativ besetzt sind, wie das in der Gruppe C der Fall war, hatte ihrer Ansicht nach keine negativen Folgen für die Schmerzversorgung der Mütter. (ple)

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