Ärzte Zeitung online, 14.02.2014

Traumanotfall

Midazolam trägt nichts zur Analgesie bei

Ob die Zugabe von Midazolam zu Morphin hilft, schwere Schmerzen von Traumapatienten rascher zu lindern, haben französische Notfallmediziner überprüft - mit negativem Resultat.

QUIMPER. Midazolam verfügt über sedative, hypnotische, angstlösende, relaxierende und amnestische Eigenschaften. In der Komedikation zur Schmerztherapie bei medizinischen Eingriffen hat sich das Benzodiazepin in einer Reihe von Studien als nützlich erwiesen, indem es die Analgesie verbesserte und sogar die Morphindosis senken half.

Notärzte um Yannick Auffret vom Klinikum Quimper, Bretagne, haben die Kombination Morphin-Midazolam nun daraufhin untersucht, ob sie sich auch im Rettungswagen bewährt (Am J Emerg Med 2014; online 6. Februar).

91 Traumapatienten mit starken Schmerzen - Wert größer oder gleich sechs auf einer numerischen Skala (NRS) von null bis zehn (stärkste Schmerzen) - wurden randomisiert gemäß einem von zwei Schemata behandelt.

Schema 1 (41 Patienten) umfasste die Gabe von Morphin in einer Dosis von 0,1 mg/kg, gefolgt von fünfminütlich drei mg bis zum Erreichen eines NRS-Wertes von maximal drei. Zusätzlich erhielten die Patienten zu Beginn der Therapie einmal 0,04 mg/kg Midazolam.

Schema 2 (50 Patienten) glich Schema 1 bis auf die Tatsache, dass statt Midazolam Placebo verabreicht wurde. Primärer Endpunkt der Untersuchung war es, binnen 20 Minuten nach Therapiebeginn die Schmerzen wirksam zu mildern (NRS-Wert kleiner als vier).

Ein signifikanter Unterschied im Erreichen des definierten Endpunktes zwischen der Midazolam- und der Placebogruppe war nicht festzustellen. Einen NRS-Wert kleiner als vier hatten nach 20 Minuten 43,6 Prozent der Patienten erreicht, die Midazolam erhalten hatten. Unter Placebo lag der Anteil bei 46,3 Prozent.

Im günstigsten Fall, wenn alle fehlenden Daten zugunsten von Midazolam ins Gewicht gefallen wären, hätte das Verhältnis zu Placebo 46,3 zu 42 Prozent betragen. Der ungünstigste Fall wäre auf ein Verhältnis von 41,5 zu 50 Prozent hinausgelaufen. Ein signifikantes Ergebnis ließ sich aber auch mit noch so raffinierter Statistik nicht erzielen.

Ein morphinsparender Effekt war in der Midazolamgruppe nicht zu beobachten. Ein aussagekräftiger Unterschied zwischen Midazolam und Placebo stellte sich überhaupt nur in einer wenig überraschenden Hinsicht heraus: 43,6 Prozent der Patienten unter Midazolam gegenüber 6,5 Prozent unter Placebo waren benommen.

Von dem Rat, die notärztliche Morphintherapie gegen starke Schmerzen durch Midazolamgabe zu unterstützen, nehmen Auffret und seine Kollegen im Licht dieser Resultate Abstand. (rb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Das ist bei einer Datenpanne zu tun

Bei einem Datenleck in der Praxis sind Inhaber nach der Datenschutzgrundverordnung verpflichtet, dies zu melden. Wem und wie, das erläutern Medizinrechtler. mehr »

Urologen befeuern Diskussion um Herztoddiagnostik

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie fordert große Reformen bei der Organspende. DGU-Präsident Professor Paolo Fornara erläutert im Interview, welche Neuregelungen seiner Meinung nach dringend nötig sind. mehr »