Ärzte Zeitung online, 24.10.2017

Universitätsklinikum Jena

Preis für Schmerzforschung geht an Jenaer Physiologen

JENA. Dr. Christian König und Eric Morch vom Institut für Physiologie I am Universitätsklinikum Jena wurden mit dem Förderpreis für Schmerzforschung der Deutschen Schmerzgesellschaft geehrt.

In ihrer mit dem von der Grünenthal GmbH gestifteten Förderpreis in der Kategorie Grundlagenforschung prämierten Arbeit beschreiben sie, wie eine Wechselwirkung von zwei wichtigen Signalstoffen, eigentlich dafür bekannt Entzündungs- und Abwehrreaktionen des Körpers zu starten, im Rückenmark die Erregung von Nervenzellen drastisch verstärkt (Journal of Neuroscience, 2016, 36(389: 9782-9791).

Diese erhöhte Erregbarkeit im Rückenmark ist Bestandteil einer möglichen Sensibilisierung des ZNS und Ursache für die Verstärkung und Ausbreitung von Schmerzsymptomen, teilt die Uniklinik mit. Die Mechanismen der Schmerzentstehung bei entzündlichen Gelenkerkrankungen, wie z. B. der Arthritis, sind Forschungsschwerpunkt der Neurophysiologen am Uniklinikum Jena. Eine Entzündung ruft oft heftige Schmerzen hervor und geht mit einer Sensibilisierung des betroffenen Areals einher.

Dies löst häufig auch eine sogenannte zentrale Sensibilisierung im Rückenmark und des Gehirns aus, die dann das betroffene Areal größer macht und die Schmerzen verstärkt. Die Wissenschaftler untersuchen, wie Botenstoffe des körpereigenen Immun- und Abwehrsystems diese Prozesse beeinflussen oder ermöglichen.

Dabei gelang es ihnen jetzt zu zeigen, dass es funktionelle Abhängigkeiten bei der Wirkung von zwei allgegenwärtigen Faktoren von Entzündungsreaktionen, dem sogenannten Tumor Nekrose Faktor alpha (TNF-alpha) und dem Interleukin-6 (IL-6), im Rückenmark gibt.

"Wir konnten nachweisen, dass TNF-alpha eine regulatorische Funktion auf die IL-6 Wirkung im Rückenmark ausübt. TNF-alpha verstärkt eine IL-6-Freisetzung aus Nervenzellen des Rückenmarks und aktiviert sogenannte Mikrogliazellen, wichtige Immunzellen des zentralen Nervensystems, zur Freisetzung einer weiteren entscheidenden molekularbiologischen Komponente, um eine Wirkung von IL-6 auf Schmerzreiz-verarbeitende Nervenzellen im Rückenmark erst zu ermöglichen", wird König in der Mitteilung zitiert. (eb)

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