Ärzte Zeitung online, 10.08.2017
 

Wetterfühligkeit

Wetter nur indirekt schuld an Gelenkschmerzen

Wetter nur indirekt schuld an Gelenkschmerzen

Warmes Wetter lädt zu mehr Bewegung ein – und das fördert Gelenkschmerzen.

© Robert Kneschke / Fotolia

SEATTLE. Beeinflusst das Wetter Gelenkschmerzen? Ja, meinen Orthopäden von der University of Washington – aber anders, als oft gedacht: Zwar steige mit den Temperaturen auch die Zahl der Suchanfragen im Internet nach Knie- oder Hüftschmerzen. Grund dafür sei jedoch, dass sich Menschen schlicht mehr bewegten und teils überanstrengten (PLoS One 2017; 12(8): e0181266, DOI: 10.1371/journal.pone.0181266).

Die Forscher setzten in ihrer Analyse exakte Wetterdaten aus 45 amerikanischen Städten in Bezug dazu, wie viele Menschen Wörter wie "Gelenkschmerzen" googelten. Es zeigte sich: Zunächst stiegen die Suchanfragen mit den Temperaturen stetig an, über 20 Grad nahmen sie allerdings wieder ab – ebenso bei Niederschlag. Infos zu Kniebeschwerden waren demnach bei 23 Grad am häufigsten nachgefragt, zu Hüftschmerzen bei 28 Grad.

Zum Vergleich: Die Internet-Suche nach "Bauchschmerzen" war bei milden Temperaturen besonders gering, die nach "Arthritis" zeigte keinen klaren Zusammenhang mit dem Wetter.

In Deutschland sehen Wissenschaftler die Studie kritisch. "Sie zeigt Korrelationen, aber sagt nichts über kausale Einwirkungen", so Professor Marcus Schiltenwolf von der Uniklinik Heidelberg. Es fehlten sämtliche Bezüge zum Alter und vor allem zum Fitness-Grad der Betroffenen.

"Das ist eine Verzerrung dessen, was Bewegung leisten kann." Bewegung sei wichtig und sinnvoll, wenn man sie öfter und auch regelmäßig betreibe. Eine Wetterlage, auf die Menschen besonders empfindlich mit Gelenkschmerzen reagieren, gibt es seiner Einschätzung nach nicht. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »