Ärzte Zeitung, 09.05.2006

Erstes Triptan ist in Deutschland seit kurzem als Generikum erhältlich

Nur wenige Migränepatienten in Deutschland erhalten bislang ein Triptan

MÜNCHEN (wst). Am 17. Mai 2006 läuft der Patentschutz für das erste aller Triptane, das Sumatriptan, aus. Bereits am 15. März wurde in einer Early-Entry-Vereinbarung als originalidentisches Generikum Sumatriptan-ratiopharm® eingeführt. Nun besteht die Hoffnung, daß jetzt mehr Migränepatienten als bisher ein Triptan erhalten.

0,2 bis ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben eine schwere chronische Migräne, und etwa zwölf Prozent aller Frauen sowie sechs bis acht Prozent aller Männer haben zumindest gelegentlich heftige Migräneattacken. Darauf hat der niedergelassene Neurologe Dr. Volker Pfaffenrath aus München auf einer Einführungspressekonferenz des Unternehmens Ratiopharm in München hingewiesen.

Fachgesellschaften empfehlen Triptane als Mittel der Wahl

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sowie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie empfehlen seit 2002 zur Akutbehandlung bei mittel- bis schwerer Migräne Triptane als Mittel der ersten Wahl. Doch nach den Ergebnissen der 2003 veröffentlichten MELT (Migraine’s Effect on Life and Treatment)-Studie erhalten in Deutschland nur zehn Prozent aller Migränepatienten ein Triptan. In Schweden sind es immerhin 50 Prozent der Patienten.

Hauptgrund dieser Zurückhaltung in Deutschland ist wohl weniger die Angst vor unerwünschten Begleiteffekten als vielmehr der bislang rechte hohe Preis für Triptane, die das Budget belasteten, mutmaßten Pfaffenrath und weitere Referenten. Sie hoffen deshalb, daß mit der Patentfreigabe von Sumatriptan die Kollegen jetzt häufiger als bisher ein Triptan verordnen.

Ziel jeder Behandlung bei Migräne-Attacken sollte sein, daß die Patienten innerhalb von zwei Stunden nach der Einnahme schmerzfrei oder zumindest wieder fit für Beruf und Alltagstätigkeiten werden, so Pfaffenrath. Am ehesten gelingt dies mit einem Triptan, wobei der Vorteil im Vergleich zu anderen Kopfschmerzmitteln um so deutlicher wird, je später im Verlauf einer Attacke interveniert wird und je schlimmer der Anfall ist.

Tip: Triptan plus Naproxen bei stetem Wiederkehrschmerz

Die Wirksamkeitsunterschiede zwischen einzelnen Triptanen bezeichnete Pfaffenrath als klinisch kaum relevant. Er riet Kollegen, sich mit zwei bis drei Vertretern der Klasse vertraut zu machen und dann nur die zu verordnen.

Patienten, die auf zwei unterschiedliche Triptane nicht ansprechen, seien biologische Nonresponder, bei denen es sich dann grundsätzlich nicht lohnt, ein drittes Triptan zu versuchen. Bei solchen Nonrespondern, die um die 20 Prozent aller Migränepatienten ausmachen könnten, gewinne eine Prophylaxe an Stellenwert.

Einen weiteren Tip hatte Pfaffenrath: Bei Patienten, bei denen es nach initial gutem Ansprechen stets zu einem Wiederaufflackern der Symptome kommt (multiple recurrence), empfiehlt er die Kombination eines Triptans mit Naproxen.

STICHWORT

Generika

Für die Zulassung von Generika muß der Nachweis vorliegen, daß sie zu den Originalpräparaten bioäquivalent sind. Allerdings sind Abweichungen in der galenischen Zubereitung möglich. Bei einem originalidentischen Generikum sind dagegen Wirkstoffkonzentration, Galenik und Aussehen mit dem Original völlig identisch.

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