Ärzte Zeitung online, 05.08.2009

Heftige Elternreaktion steigert Kopfschmerzrisiko beim Kind

KÖLN (dpa). Wie Eltern auf Kopfschmerzen ihrer Kinder reagieren, wirkt sich stark darauf aus, ob die Beschwerden wiederkehren. Bei überfürsorglichen aber auch bei negativen Reaktionen wie "stell Dich nicht so an" sei das Risiko für wiederkehrende Kopfschmerzen bei Mädchen um ein Viertel größer. Das haben Forscher in einer aktuellen Studie herausgefunden (Dtsch Arztebl Int 2009, 106(31-32), 509).

Jungen hätten diesen Effekt nicht ganz so stark. Bei einer übertriebenen positiven - oder auch negativen Verstärkung - lerne das Kind etwa, dass es durch seine Beschwerden die volle Aufmerksamkeit seiner Eltern erlange. Das könne sich auch in tröstenden Geschenken und liebevoller Pflege daheim äußern.

Die Analyse der Psychologen um Jennifer Gaßmann von der Georg- August-Universität Göttingen beruht auf Daten der Studie "Kinder, Jugendliche und Kopfschmerz" (KiJuKo). Dabei wurden 8800 Familien mit Kindern von 7 bis 14 Jahren regelmäßig befragt. Für Jungen war demnach für die Häufigkeit von Kopfschmerz eher entscheidend, ob es oft Streit in der Familie gab und wie viel Zeit sie für sich hatten.

Jungen, in deren Familien mehr als einmal pro Woche gestritten wurde, hatten ein fast doppelt so hohes Risiko, Kopfschmerzen zu entwickeln. Mehr als doppelt so groß war das Risiko sogar, wenn Jungen nur selten selbstbestimmt ihre Freizeit gestalten konnten. Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, wie schädlich ein übervoller Terminkalender für Kinder sein könne, betonen die Mediziner.

Insgesamt haben - nach Einschätzung der Eltern - 17 Prozent der Kinder mindestens einmal pro Monat Kopfweh, knapp 7 Prozent sogar mindestens einmal pro Woche. Doppelt so viele Mädchen wie Jungen litten unter wöchentlichen Beschwerden.

Zum Abstract der Originalarbeit "Risk Factors for Headache in Children"

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