Ärzte Zeitung, 19.06.2012

Spritze gegen chronische Migräne

BERLIN (eis). Für Patienten mit chronischer Migräne, die auf eine prophylaktische Migräne-Medikation nur unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben, ist in Deutschland zur Linderung der Symptome seit vergangenem September Botulinumtoxin A (Botox®) zugelassen.

Botulinumtoxin A hilft bei Migräne, wenn sie chronisch ist

Die Spritze bei chronischer Migräne.

© Christoph Hähnel / fotolia.com

Eine aktuelle Analyse von Studien bestätigt: Die Injektionen wirken nur bei chronischer Migräne, nicht aber bei Patienten mit episodischer Migräne oder andere Formen von Kopfschmerzen.

Für die Analyse wurden 27 Placebo-kontrollierte Studien mit 5313 Teilnehmern ausgewertet; davon hatten 1938 episodische und 1544 chronische Migräne; weitere 616 hatten chronisches Spannungskopfweh und 1115 hatten nicht näher definierte chronische tägliche Kopfschmerzen. Außerdem wurden vier Vergleichsstudien mit anderen Arzneien analysiert.

Das Ergebnis: Nur bei Patienten mit chronischer Migräne wurde mit dem Präparat eine spürbare Besserung erzielt (JAMA 2012, 307: 1736).

Die Zahl der Krankheitstage pro Monat nahm dabei im Vergleich zu Placebo um durchschnittlich zwei Tage ab. Bei Patienten mit episodischer Migräne sowie bei Patienten mit anderen Kopfschmerzarten verringerten sich die Schmerztage im Vergleich zu Placebo dagegen nicht.

Nebenwirkungen beachten

Professor Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfiehlt die Therapie mit dem Botulinumtoxin-A-Präparat deshalb nur bei häufigen Migräneattacken.

"Die Behandlung mit dem Botulinumtoxin sollte auch nur im Einzelfall und von erfahrenen Kopfschmerzspezialisten durchgeführt werden", wird Diener in einer DGN-Mitteilung zitiert.

Im Vergleich mit herkömmlichen Medikamenten sei das Botulinumtoxin-A-Präparat bei der Prophylaxe chronischer Migräne ähnlich gut wirksam, habe aber weniger unerwünschte Effekte, so die DGN.

Unter Anwendung der Substanz bei chronischer Migräne kann es allerdings selten zu Nebenwirkungen wie einer Oberlidptosis, Spannungsgefühlen der Haut, Schmerzen in den Hautnerven, Nackensteifigkeit, Muskelschwäche und Nackenschmerz kommen.

In Deutschland leiden mehr als zehn Millionen Menschen - überwiegend Frauen - unter häufigen Kopfschmerzen verschiedener Genese.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »

Wird die Apple Watch zum Herzrhythmus-Monitor?

Die neue Smartwatch von Apple verfügt über einen EKG-Sensor. Über eine weitere App erkennt sie Vorhofflimmern. Wie sehen mögliche Einsatzszenarien aus? mehr »

Abtreibungsgegner darf Ärzte nicht Mörder nennen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einem katholischen Abtreibungsgegner Grenzen für Kritik an Ärzten aufgezeigt, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. mehr »