Ärzte Zeitung online, 11.09.2019

Kommentar zu Fehlern in der Migränetherapie

Kopfzerbrechen bei Migräne

Viele Ärzte behandeln Migräne-Patienten nicht Leitlinien-gemäß. Nicht nur für Patienten dürfte das schwer auszuhalten sein.

Von Robert Bublak

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Schreiben Sie dem Autor: robert.bublak@springer.com

Seit 2018 gibt es eine deutsche Leitlinie zur Therapie und Prophylaxe von Migräneattacken. Sie steht auf Entwicklungsstufe S1. Allein das wirft schon Fragen auf.

Wieso eigentlich gibt es zu einem so alten, verbreiteten und Betroffene so stark beeinträchtigenden Leiden nur eine S1-Leitlinie gemäß einem informellen Expertenkonsens, eine eminenzbasierte Leitlinie mithin? Wieso nicht längst ein evidenzbasiertes S3-Papier?

Wie wenig überdies die Expertenvorgaben zur Migräne derzeit im medizinischen Alltag verankert sind, zeigt eine Studie von Hamburger Neurowissenschaftlern.

Obwohl die mehr als 1900 Teilnehmer im Schnitt zwölf (!) Kopfschmerztage im Monat hatten, bekamen die meisten keine präventiv wirkende Medikation. Dafür war die Mehrheit schon einmal nutzloser bildgebender Diagnostik unterzogen worden.

Auf Patientenseite verursacht die Migräne zudem offenbar medizinische Orientierungsprobleme. Zwar gehen fast 90 Prozent zu einem Allgemeinarzt, und drei von vieren suchen einen Neurologen auf.

Doch knapp die Hälfte landet beim Orthopäden, und mehr als 40 Prozent gehen wegen ihrer Migräne zum Zahnarzt. Für Migräneexperten dürften das alles eine ganze Menge Gründe sein, sich an den Kopf zu fassen. Und nicht etwa, weil er weh täte. Seite 9

Lesen Sie dazu auch:
Nicht gemäß Leitlinien: Häufig Fehler bei der Migränetherapie

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