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Ärzte Zeitung, 26.01.2005

Wie oft hat Rückenweh eine eindeutige Ursache?

Studie von Sozialmedizinern / Verdacht auf spezifischen Pathomechanismus bei jedem Zweiten mit Rückenschmerzen

LÜBECK (ner). Sozialmediziner aus Lübeck bezweifeln, daß bei den meisten Rückenschmerz-Patienten keine eindeutige Ursache zu ermitteln sei. Sie fanden in einer Untersuchung von LVA-Versicherten mit chronischen Rückenschmerzen bei mehr als der Hälfte Hinweise auf einen spezifischen Pathomechanismus.

Allgemein angenommen wird, daß sich bei etwa 80 Prozent aller Rückenschmerz-Patienten keine spezifische Ursache ausmachen läßt. Dies wird jedoch von manchen Experten bezweifelt. Bei einer systematischen Befragung von mehr als 9000 LVA-Versicherten in Schleswig-Holstein haben Dr. Oskar Mittag vom Institut für Sozialmedizin in Lübeck und seine Kollegen Personen mit schweren Rückenschmerzen identifiziert und 335 noch berufstätige Männer und Frauen klinisch untersucht (Z Orthop 142, 2004, 720).

Dabei fanden sie in 55 Prozent der Fälle neurologische Auffälligkeiten, etwa Sensibilitätsstörungen, nicht auslösbare und seitendifferente Reflexe oder positive Lasègue-Tests. "Das heißt, bei über der Hälfte der Probanden ließ sich ein Verdacht auf einen spezifischen Pathomechanismus als Ursache für die Rückenschmerzen nicht völlig ausschließen", so Mittag und seine Kollegen.

Legte man vergleichsweise harte Kriterien an, blieben immerhin noch ein Drittel der Probanden mit neurologischen Symptomen. Ein Drittel aller Probanden hatten BWS- und LWS-Skoliosen, bei der Hälfte zeigten sich statische Fehlstellungen (Kyphosen oder Lordosen). Jeder fünfte Patient hatte Zeichen eines radikulären Rückenschmerzes.

Die Sozialmediziner kritisieren, daß unter der Annahme unspezifischer Rückenschmerzen die nosologisch orientierende Diagnostik zugunsten einer raschen Therapie oft vernachlässigt werde. Außerdem fehle es an validen diagnostischen Methoden.

In der bildgebenden Diagnostik würden häufig irrelevante Auffälligkeiten zur Erklärung des Rückenschmerzes herangezogen, bei Fehlen sichtbarer Veränderungen jedoch die Patienten-Angaben zu Unrecht in Zweifel gezogen. Mittag und seine Kollegen halten daher eine populationsepidemiologische Studie zur Identifikation spezifischer Ursachen sogenannter unspezifischer Rückenschmerzen für "dringend erforderlich".

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