Ärzte Zeitung, 15.12.2005

Schmerz-Chronifizierung läßt sich vorhersagen

Neu entwickelter Fragebogen hilft zu erkennen, bei wem Rückenschmerzen chronisch werden

HEIDELBERG (bd). 27 Fragen genügen, um abzuschätzen, ob akute Rückenschmerzen chronisch werden. Möglich ist dies mit dem "Heidelberger Kurzfragebogen Rückenschmerz". Bei dem Fragebogen werden die Gedanken und die Gefühle während der Schmerzperiode und in den vergangenen 14 Tagen evaluiert.

Bei Frauen wird Rückenschmerz besonders oft chronisch. Foto: DAK

Der "Heidelberger Kurzfragebogen Rückenschmerz" wurde an der Universitätsklinik Heidelberg von der Psychologin Dr. Eva Neubauer und dem Orthopäden Professor Marcus Schiltenwolf entwickelt. Die Patienten können die Fragen in der Praxis in wenigen Minuten selbständig beantworten.

Gefragt wird etwa "Wie stark waren Ihre Rückenschmerzen in den letzten Wochen? Haben Sie außer Rückenschmerzen noch andere Schmerzen? Wie oft dachten Sie, bald ertrage ich das nicht länger". Der Fragebogen wurde jetzt in einer Publikation vorgestellt (Eur J Pain, online).

"Für die Therapie ist es wichtig, vorhersagen zu können, bei wem der Schmerz voraussichtlich chronisch wird", so Schiltenwolf in einer Mitteilung.

Der Fragebogen ist innerhalb einer Studie entwickelt worden, und zwar mit 192 Patienten, die das erste oder das zweite Mal wegen lumbaler Rückenschmerzen zu einem Arzt gingen. Die Patienten erhielten zunächst einen Fragebogen mit 167 Fragen zu ihren Rückenschmerzen.

Nach sechs Monaten wurden die Patienten in einem Brief befragt, ob sie noch Rückenschmerzen haben. Das war bei etwa der Hälfte der Fall. Anschließend wurde geschaut, welche der Fragen diese Patienten vor sechs Monaten ähnlich beantwortet hatten. Übrig bleiben schließlich 27 Fragen, mit denen sich eine Chronifizierung offenbar gut vorhersagen läßt.

Demnach haben vor allem jene Patienten ein hohes Chronifizierungsrisiko, die starke Rückenschmerzen über mehr als eine Woche und zusätzliche weitere Schmerzen in anderen Körperregionen angeben. Auch Patienten mit Depressions-Symptomen und Patienten, die sich hilflos fühlen, sind demnach besonders gefährdet.

Schließlich haben nach der Studie Menschen mit einem niedrigen Schulabschluß und Frauen ein erhöhtes Risiko für eine Chronifizierung.

Nächster Schritt ist, diesen Fragebogen mit dem Kurztitel HKF-R 10 in einer weiteren Untersuchung zu validieren, ehe er Arztpraxen zur Verfügung gestellt wird. Nach Schätzung von Schiltenwolf wird dies bis spätestens Ende nächsten Jahres der Fall sein.

Interessenten können die noch nicht endgültig validierte Fassung des Fragebogens bereits jetzt schon per E-Mail anfordern. Die Adresse lautet: sabine.lueg-damm@ok.uni-heidelberg.de

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