Ärzte Zeitung, 17.12.2007

Was tun, wenn ein Taucher Rückenschmerzen hat?

Eine Knochenszintigrafie mit SPECT ist der MRT bei der Diagnose Spondylolyse überlegen / Hyperextensionstest ist meist wenig hilfreich

NEU-ISENBURG (ner). Bei jungen Menschen mit persistierenden Rückenschmerzen, etwa bei Tauchern, kann eine Spondylolyse die Ursache sein. Eine körperliche Untersuchung einschließlich Hyperextensionstest hilft bei der Diagnostik allerdings kaum weiter. Im Zweifel kann eine Knochenszintigrafie mit SPECT zur Diagnose führen.

Von der Spondylolyse häufig betroffen sind Sportler, bei denen erhebliche Scherkräfte und Hyperextensionsbewegungen im Rücken auftreten, etwa wie bei Tauchern.

Foto: sebastian kaulitzki © www.fotolia.de

Der Hyperextensionstest sei weder spezifisch noch sensitiv genug, schreibt Dr. Felicitas Witte aus Mannheim in der Zeitschrift "Sportverletzungen Sportschaden" (21, 2007, 64). Die Knochenszintigrafie mit SPECT (Einzelphotonen-Emissions-Tomografie) habe sich in einer australischen Studie mit 39 Patienten zudem der Magnetresonanztomografie (MRT) als überlegen erwiesen. So fanden die Radiologen mit der MRT nur 80 Prozent der Knochenödeme im Wirbelbereich, die per SPECT aufgefallen waren. Empfehlenswert sei die Kombination mit der Computertomografie, wenn die SPECT auffällig sei, so Witte.

Spondylolysen werden vor allem bei jungen Sportlern beobachtet, deren Wirbelsäule regelmäßig Lumbalextensionen und Rotationen ausgesetzt ist. Dies ist beispielsweise bei Gymnastik oder beim Tauchen der Fall, kann prinzipiell aber jeden aktiven Sportler treffen. Diese Belastungen können zu einer Spondylolisthese führen. Die lumbalen Bandscheiben degenerieren dann.

Allerdings ist die aktive Spondylolyse oft asymptomatisch und wird dann eher zufällig diagnostiziert. Der klinische Hyperextensionstest in Bauchlage am lumbosakralen Übergang war in der zitierten Studie nur bei etwas mehr als der Hälfte der betroffenen Patienten positiv. Er ist damit als Diagnostikum wenig geeignet. Die Sensitivität des Tests für die Spondylolyse lag lediglich zwischen 45 und 68 Prozent.

Die SPECT galt zwar bisher bereits als Goldstandard bei Verdacht auf aktive Spondylolyse. Allerdings hat die MRT einige Vorteile, etwa die fehlende Invasivität und die fehlende ionisierende Strahlung. Sie liefert jedoch gehäuft falsch negative Befunde.

Beim Drei-Phasen-Hyperextensionstest liegt der Patient auf dem Bauch. Der Untersucher legt eine Hand etwa in Höhe der Kniescheibe unter einen Oberschenkel und hebt das locker gestreckte Bein nach oben. Gleichzeitig drückt die andere Hand seitlich auf das Hüftgelenk (Phase 1, Test des ileofemoralen Bandes). In Phase 2 liegt die zweite Hand des Untersuchers beim Anheben des Patientenbeines auf dem Ileosakralgelenk (Test der Ileosakralbänder). Für die dritte Phase drückt die zweite Hand beim Beinanheben auf die untere Wirbelsäule (Test der Wirbelgelenke der Wirbelkörper L4 bis S1).

STICHWORT

Spondylolyse

Im Wirbelbogen hat sich ein Spalt gebildet. Das verursacht eine Instabilität des Wirbelkörpers, so dass ein Wirbelgleiten (Spondylolisthese) resultieren kann. Am häufigsten kommt die Spondylolyse an den unteren Lumbalwirbeln vor. Sie kann bei Kindern und Jugendlichen zu chronischen Rückenschmerzen führen. Ursachen einer Spondylolyse sind meist angeborene Defekte, Traumen oder Ermüdungsbrüche, zum Beispiel durch sportliche Überlastung. (ner)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »