Ärzte Zeitung, 18.12.2013
 

Rückenschmerz

Volksleiden Nummer Eins

Nur 4,3 Prozent der Erkrankten mit Rückenschmerzen fallen laut Report des BKK Dachverbands länger als sechs Wochen aus. Aber sie verursachen 44,2 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage.

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Autsch: Rückenleiden verusachen fast die Hälfte aller Fehltage.

© Gina Sanders / fotolia.com

BERLIN. Obwohl die körperlichen Belastungen der Arbeitnehmer kontinuierlich abnehmen, bleibt der Rückenschmerz das Volksleiden Nummer eins. Das ist das Fazit des BKK Gesundheitsreports 2013, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Analysiert wurden darin die Daten von 4,8 Millionen beschäftigten Mitgliedern der BKKen. Demnach sind Muskel- und Skeletterkrankungen mit mehr als einem Viertel der Fehltage (26,5 Prozent) der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit.

Seit 2005 seien die Fehlzeiten bei Muskel- und Skeletterkrankungen (MSE) um fast ein Drittel gestiegen, betonte Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbands.

Rückenschmerzen sind die häufigste Diagnose bei den Muskel- und Skeletterkrankungen, die zu Arbeitsausfall führen: "Mit fast 50 Prozent überragen Rückenbeschwerden die anderen Diagnosegruppen deutlich", heißt es in dem Report.

Frauen (46,9 Prozent) seien davon etwas seltener betroffen als Männer (48,7 Prozent). Die zweithäufigste Diagnose sind Gelenkleiden (Frauen: 25,6 Prozent, Männer 26,1 Prozent).

Lediglich 4,3 Prozent der Erkrankten mit Rückenschmerzen fallen länger als sechs Wochen aus. "Allerdings verursachen sie 44,2 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage", so Knieps. Mehr als drei Viertel der Patienten mit Rückenschmerzen waren zwei Wochen krank geschrieben, 8,2 Prozent länger als vier Wochen.

Es gebe jedoch je nach Branche Unterschiede, betonte Knieps. Dem Report zufolge fallen vor allem Beschäftigte bei den Postdiensten häufig wegen Muskel- und Skeletterkrankungen aus, gefolgt von Mitarbeitern der Abfallentsorgung und der Metallerzeugung und -bearbeitung.

Prävalenz im Osten am höchsten

In Branchen wie Informationsdienstleistungen und Datenverarbeitung, Medien sowie im Kredit- und Versicherungsgewerbe verursachten Rückenleiden hingegen die wenigsten Fehltage. Zudem werden die Menschen in den ostdeutschen Bundesländern offenbar häufiger von Rückenschmerzen geplagt als in den westdeutschen.

Insbesondere in den Flächenländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt fallen dem Report zufolge die Menschen am häufigsten aufgrund von Rückenschmerzen aus. Eher verschont blieben dagegen die Menschen in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Bayern.

Der Berliner Rückenspezialist Ulf Marnitz betonte, dass sich die Zahl der Wirbelsäulen-Operationen seit 2005 verdoppelt habe. Jedoch könnten lediglich fünf Prozent der Patienten von einer solchen Operation profitieren. Mindestens jeder dritte Patient entwickle danach chronische Schmerzen.

Diese ließen sich dann nur gut behandeln, wenn Fachärzte, Psychotherapeuten und Psychotherapeuten eng zusammenarbeiteten. "Dadurch kann viel Leid und Geld gesparten werden", so Marnitz.Insgesamt stiegen die krankheitsbedingten Fehlzeiten der BKK-Mitglieder 2012 bereits das sechste Jahr in Folge - auf nunmehr durchschnittlich 16,6 Ausfalltage je Kassenmitglied.

Das sind rund vier Tage mehr als noch 2006. Überdurchschnittlich hoch ist vor allem der Anstieg bei psychischen Störungen. Der Anteil der Fehlzeiten lag 2012 bei 14,7 Prozent. (sun)

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