Ärzte Zeitung online, 07.03.2014

Bandscheibenvorfall

Wie gut helfen Injektionen?

Zum Nutzen von epiduralen Injektionen bei Patienten mit Bandscheibenprolaps gibt es widersprüchliche Daten. Die Verfasser einer neuen Übersichtsarbeit haben sich daher um eine methodisch "saubere" Analyse bemüht. Danach kann die Injektion von Lokalanästhetika und/oder Steroiden Schmerzen und Behinderung sogar längerfristig reduzieren.

PADUCAH. An systematischen Übersichtsarbeiten zu epiduralen Injektionen bei Bandscheibenvorfall besteht kein Mangel. Was fehlt, ist ein einhelliges Ergebnis. Einige Arbeiten kommen zu dem Schluss, dass die Injektionen medizinisch unnötig und nutzlos sind.

In vielen anderen Studien wurde eine Besserung der Beschwerden festgestellt. Einige dieser Untersuchungen weisen aber methodische Schwächen auf.

US- Ärzte haben daher die einschlägige Literatur nochmals systematisch unter die Lupe genommen und sich dabei auf solche randomisierte Studien mit aktiver oder Placebokontrolle beschränkt, die gemäß Cochrane-Kriterien eine mittlere bis hohe Qualität aufwiesen (Clin Orthop Relat Res 2014; online 11. Februar).

"Die verfügbaren Daten legen nahe, dass epidurale Injektionen unter fluoroskopischer Kontrolle bei ausgewählten Patienten mit lumbalem Bandscheibenvorfall eine Besserung von Schmerzen und Funktion bewirken", lautet das Fazit von Forschern um Dr. Laxmaiah Manchikanti vom Pain Management Center in Paducah im US-Staat Kentucky.

In ihrer Übersicht hatten die Ärzte 23 Studien berücksichtigt, die aber zu heterogen waren, um in einer Metaanalyse ausgewertet zu werden. In fünf Studien war ein kaudaler Zugang gewählt worden.

Hohe Evidenz für kurzfristigen Nutzen

Dieser gilt als besonders sicher, erfordert aber höhere Volumina und ist weniger zielgerichtet. Alle drei Studien mit fluoroskopischer Überwachung und eine von zwei Studien ohne Fluoroskopie belegten die Wirksamkeit dieser Herangehensweise.

Interlaminäre Injektionen, bei denen die Medikation nah an den Zielort appliziert wird, waren in neun Studien untersucht worden. Auch hier wurde die Wirksamkeit durch alle Studien mit Fluoroskopie-Überwachung (n = 5) bestätigt, außerdem durch zwei der vier übrigen Studien.

Transforaminale Injektionen - sie erfordern die geringsten Volumina - waren in sieben Fluoroskopie-Studien erfolgreich und in zweien nicht.

Bei allen drei Methoden fand sich eine hohe Evidenz für einen kurzzeitigen Nutzen in Bezug auf Schmerzen und Funktion sowie eine moderate Evidenz für Effekte, die länger als sechs Monate anhielten.

Als Schmerzlinderung galt in der Übersicht eine mindestens 50prozentige Schmerzreduktion bei mindestens 50 Prozent der Patienten.

Laut Manchikanti und seinen Kollegen stehen die Ergebnisse ihres Reviews in Einklang mit einigen älteren Übersichtsarbeiten. Wegen der erheblichen Unterschiede zwischen den Einzelstudien kann ihre Analyse jedoch nur einen qualitativen Beleg für die Wirksamkeit der epiduralen Injektionen liefern, eine Quantifizierung der Wirkung war nicht möglich. (BS)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
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