Ärzte Zeitung online, 22.11.2016

Rückenschmerzen

Ärzte röntgen oft zu schnell

Bei Rückenschmerzen machen Ärzte oft vorschnelle Bildaufnahmen – und finden die Ursache trotzdem nicht: Das sagt eine Bertelsmann-Studie.

Ärzte röntgen oft zu schnell

Wird bei Rückenschmerzen zu schnell die Bildaufnahme verwendet?

© Stefano Lunardi / iStock / Thinkstock

GÜTERSLOH. Rückenschmerzgeplagte Patienten werden laut Studie zu häufig geröntgt oder in einen Tomographen geschoben. Von den jährlich etwa sechs Millionen Bildaufnahmen mittels Röntgengerät, Computer- oder Magnetresonanz-Tomograph seien viele vermeidbar. Das sagt das Ergebnis einer am Dienstag vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung.

So wurde jeder fünfte Patient bereits im Quartal der Erstdiagnose durchleuchtet - dabei empfehlen die medizinischen Leitlinien dies frühestens, wenn herkömmliche Therapien wie Schmerzmittel oder Krankengymnastik keinen Erfolg hatten.

Entgegen der Erwartungen einer Mehrheit von Patienten können Ärzte trotz bildgebender Verfahren höchstens bei 15 Prozent der Fälle eine spezifische Ursache für den Rückenschmerz feststellen, so die Experten der Bertelsmann-Stiftung. (dpa)

Mehr ab 18 Uhr in unserer App.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[22.11.2016, 15:01:17]
Thomas Georg Schätzler 
Einfach nur köstlich?
Brigitte Mohn fordert als Vorstand der Bertelsmann Stiftung: "Ärzte müssen falsche Kenntnisse und Erwartungen von Patienten korrigieren. Nur so werden sie ihrem eigenen Anspruch als vertrauenswürdige Experten gerecht."

Und das, nachdem der Bertelsmann-Konzern multimedial, per EDV, TV und Print mit äußerstem Nachdruck auf allen Kanälen unerfüllbare Erwartungs- und Forderungshaltungen seitens unserer Patientinnen und Patienten geweckt, gehegt und gepflegt hat: Jederzeit, Tag und Nacht müsse den schmerzgeplagten Rücken-Erkrankten sofort und immer wieder maximal geholfen werden, notfalls unter Einzatz des geamten medizinisch-technischen und pharmazeutisch-therapeutischen Arsenals.

In sensationslüsterner Berichterstattung mit fortgesetztem Ärzte-Bashing ist plötzlich kein Platz mehr für "chosing wisely", Medizin mit Augenmaß und Verantwortung bzw. ganzheitlichen Betrachtungsweisen. Da werden lieber "red flägs" geschwenkt und der Arzt verklagt, weil er nicht mehr bereit ist, zum 4-wöchentlichen Komplettcheck mit Röntgen, MRT/CT und Intervention nach Patienten- und Dr. Googles Wünschen anzutreten!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »