Ärzte Zeitung, 10.02.2017

Volkskrankheit Rückenschmerzen

Schlechtes Wetter, starkes Kreuzweh?

In einer vor zwei Jahren publizierten Studie hatten australische Forscher keinen klinisch bedeutsamen Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und dem Wetter finden können. Nun ist die Untersuchung wiederholt worden, mit gleichem Resultat.

Von Robert Bublak

Schlechtes Wetter, starkes Kreuzweh?

Rückenschmerz und Wetter: Gibt es da einen Zusammenhang?

© Gina Sanders / Fotolia

SYDNEY. Begünstigen bestimmte Wetterlagen Rückenschmerzen? Das haben Forscher um Dr. Daniel Steffens von der Universität Sydney in einer Studie mit 981 Betroffenen untersucht (Pain Med 2016, online 15. Dezember). Die Patienten hatten eine frisch aufgetretene Episode von lumbalen Rückenschmerzen. Das Auftreten der Beschwerden wurde mit offiziellen Daten des australischen Amtes für Meteorologie abgeglichen. Analysiert wurden dabei zum einen die durchschnittlichen Wetterwerte für den Tag vor Beginn der Beschwerden, zum anderen die Veränderungen der Wetterlage an den beiden Tagen Tag vor dem Schmerzbeginn. Zur Kontrolle dienten die Zeiträume eine Woche und einen Monat vor dem kritischen Zeitfenster.

Ergebnis: Weder für die Niederschlagssituation noch für die Luftfeuchtigkeit und auch nicht für die Windverhältnisse oder den Luftdruck war ein Zusammenhang mit dem Einsetzen von Kreuzweh festzustellen. Allenfalls gingen wärmere Temperaturen mit einer marginal höheren Schmerzhäufigkeit einher, die sich in einer Steigerung der Odds Ratio um 20 Prozent je Zunahme um 5°C ausdrückte und knapp die Signifikanzschwelle unterschritt (p = 0,03). Die Forscher halten den Befund aber für klinisch irrelevant.

Die Autoren um Steffens räumen ein, es habe sich bei den Probanden um Patienten mit akuten Rückenschmerzen gehandelt. Deshalb sei das Resultat nicht ohne Weiteres auf Menschen mit chronischen Schmerzen oder Arthritis übertragbar. Deren Wetterfühligkeit zu erforschen, bleibe künftigen Studien vorbehalten.

Den Zusammenhang zwischen der Wetterlage und Rückenschmerzen hatte Steffens bereits vor zwei Jahren untersucht (Arthritis Care Res 2014; 66: 1867). Auch damals war das Ergebnis großenteils negativ ausgefallen, auch wenn sich für Böigkeit und Geschwindigkeit des Windes signifikante Assoziationen ergaben. Klinisch relevant waren die Effekte aber nicht. Viele Betroffene waren mit den Resultaten alles andere als einverstanden und gaben das in sozialen Netzen deutlich zu verstehen. Für die Forscher war das einer der Anlässe, sich dem Thema erneut zu widmen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Repräsentativbefragung: Wetterfühlig – alles Unfug?

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