Ärzte Zeitung online, 17.11.2017
 

Rise-uP

Kreuzweh – Projekt mit E-Health startet

Unter dem Titel "Rücken innovative Schmerztherapie mit E-Health für unsere Patienten" ist in Bayern ein Experiment zur telemedizinischen Vernetzung an den Start gegangen, das Patienten mit Hilfe von Online-Tools zum Selbstmanagement befähigen soll.

Von Wiebke Kathmann

Kreuzweh – Projekt mit E-Health startet

© high_resolution / Fotolia

MANNHEIM. Rise-uP ist ein beispielhaftes E-Health-Projekt für Rückenschmerzpatienten und wird durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses, die AOK Bayern und die Technische Universität München gefördert. Wie Professor Thomas Tölle von der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Klinikums rechts der Isar in München beim Schmerzkongress in Mannheim berichtet hat, umfasst dieses Projekt drei Aspekte:

-den Therapienavigator, eine elektronische Fallakte mit Behandlungsalgorithmen, basierend auf der Nationalen Versorgungsleitlinien Kreuzschmerz und einer Risikostratifizierung für eine Chronifizierung anhand von ‚yellow flags‘;

-telemedizinische Strukturen zur Kommunikation zwischen allen Behandlungsebenen im Verlauf der Behandlung

-E-Health in Form der Kaia-Rücken-App für Patienten, die eine aktive Einbindung des Patienten mittels eines CE-zertifizierten, multimodalen Behandlungsprogramms für Edukation, physische und psychische Übungen umfasst.

-Ziel des Projektes ist es nach den Ausführungen von Tölle, zu prüfen, ob durch diese Art der Patientenversorgung eine Chronifizierungstendenz früher erkannt und das Risiko hierfür durch die im Behandlungspfad festgelegten Interventionen inklusive App-Anleitung für Patienten minimiert werden kann. Deuten sich besondere Probleme an, kann im Rahmen eines Telekonsils ein multiprofessioneller Ansatz im Sinne einer multimodalen Therapie initiiert werden.

-Der Patient beantwortet bei diesem Projekt bei seiner Anmeldung Fragen zu seinem Befinden selbstständig am PC oder Tablet. Im Behandlungszimmer erfolgt dann die Auswertung beziehungsweise Verlaufskontrolle. Für den Arzt bedeutet die direkte Verarbeitung der Daten eine wertvolle Hilfe. Zudem erhält er Unterstützung für seine Entscheidungen und kann alle Ergebnisse exportieren, ausdrucken und dem Patientenverwaltungsprogramm als Word-Datei oder PDF beifügen. Die elektronische Akte kann vom Arzt, von Patienten oder auch von Co-Therapeuten eingesehen werden.

-Für Datensicherheit und Qualitätsmanagement ist bei der Kaia-App mit CE-Kennzeichnung und TÜV-Zertifizierung gesorgt – die Daten werden per SSL verschlüsselt. Serverstandort ist Deutschland. Kooperierende Partner müssen dieselben Standards erfüllen.

-Das Angebot an den Patienten ist dreigeteilt und besteht aus den Elementen Einstufungstest, der vom Arzt durchgeführt und ausgewertet wird, körperliche Übungen in Videoform, die an das Beschwerdebild und den Schweregrad angepasst sind, sowie die Edukation zu chronischen Schmerzen. Bricht der Patient eine Informationseinheit ab, erscheint sie nach einer gewissen Zeit wieder als Angebot auf dem Bildschirm, gefolgt von einer Überprüfung des Schmerzlevels und der Schlafqualität. Gewünscht ist die aktive Mitwirkung des Patienten, der die App immer wieder durcharbeitet und so eine bessere Funktionalität und Lebensqualität erreicht.

Ziel des Projekts Rise-uP

- Es soll geprüft werden, ob durch diese Art von Patientenversorgung eine Chronifizierungstendenz früher erkannt und diese durch die im Behandlungspfad festgelegten Interventionen inklusive App-Anleitung für Patienten minimiert werden kann.

- Deuten sich besondere Probleme an, kann im Rahmen eines Telekonsils ein multiprofessionaler Ansatz im Sinne einer multimodalen Therapie initiiert werden.

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