Ärzte Zeitung, 19.07.2006

Coxib mit kurzer Eliminierungszeit reichert sich wenig in der Niere an

Zulassung von Lumiracoxib für Deutschland Anfang 2007 erwartet

AMSTERDAM (hub). Haben Patienten Arthrose mit Schmerzen und Entzündung, sind nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) die Arzneimittel der Wahl. Ein neues Coxib erweitert die Therapie-Optionen: Lumiracoxib. Es ist bereits in Großbritannien zugelassen und soll Anfang 2007 auch in Deutschland erhältlich sein.

Lumiracoxib wirke ähnlich gut wie Diclofenac, so der Pharmakologe Professor Kay Brune von der Uni Erlangen. Das Coxib konzentriere sich im entzündeten Gewebe und weniger in der Niere, sagte Brune während des Rheumakongresses EULAR in Amsterdam. Einen besonderen Vorteil des neuen Präparats sieht Brune in dessen kurzer Eliminierungszeit von zwei bis vier Stunden.

Das habe zwei Vorteile: Zum einen ermögliche es eine bedarfsgerechte Therapie und eine bessere Kontrolle. Die Patienten können bei Bedarf nach einigen Stunden eine zweite Dosis einnehmen. Zum anderen kann es mit retardierter Galenik angeboten werden, soll die Wirkung verlängert werden.

Mit Coxiben sollten unerwünschte Wirkungen der traditionellen NSAR umgangen werden, erinnerte Brune bei der Veranstaltung von Novartis. Für den Magendarmtrakt, die Induktion von Asthma und die Störung der Blutgerinnung sei das gelungen, nicht jedoch bei Niere und kardiovaskulärem System.

Warum Coxibe kardiovaskuläre Risiken haben, erklärte Brune mit deren pharmakologischen Eigenschaften: Wird die Cyclooxygenase 2 (Cox-2) gehemmt, wird zum einen die Synthese des an der Schmerzvermittlung beteiligten Prostaglandins E2 unterdrückt.

Zum anderen wird aber auch die Prostazyklin-Synthese gehemmt. Das Enzym schütze Gefäße durch Hemmung der Plättchenbindung an der Gefäßwand. Dieser Schutz falle mit der Cox-2-Hemmung weg, so Brune. "Cox-2 wird nicht nur durch Coxibe, sondern auch durch die traditionellen NSAR gehemmt", so Dr. Wolfgang Bolten von der Klaus-Miehlke-Klinik in Wiesbaden.

Auch die Einnahme von tNASR erhöhe daher das kardiovaskuläre Risiko für Patienten mit Risikofaktoren - etwa koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Bypass-Op, Herzinfarkt.

Unterschiede zwischen Coxiben und tNSAR gebe es bei deren gastrointestinalen Risiken für Patienten mit entsprechenden Risikofaktoren wie Alter, Ulkusanamnese oder Steroidtherapie, so Bolten. "Zwar reduzieren Protonenpumpen-Hemmer (PPI) das gastrointestinale Risiko durch tNSAR im oberen Magendarmtrakt um etwa 50 Prozent", so Bolten.

"Doch die Hälfte aller Komplikationen bei tNSAR sind im unteren Gastrointestinaltrakt. Da wirken PPI nicht." Im Vergleich zu tNSAR reduzierten Coxibe das Risiko im gesamten GI-Trakt um etwa 70 Prozent.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »