Ärzte Zeitung, 06.06.2007

Knie-Prothese

Leser fragen - Kollegen antworten

Ein Hausarzt aus Offenburg fragt:

Mein Patient, Jahrgang 1942, erhielt vor fünf Jahren eine Knieprothese rechts wegen Varusgonarthrose. Nach zwei Jahren schwoll das Knie plötzlich an, es bestanden erhebliche Schmerzen. Punktion und Blutuntersuchung ergaben erhöhte Harnsäure-Werte. Unter Allopurinol besserte sich der Befund vollständig. Seit 1,5 Jahren kann das Knie nicht mehr über 90° gebeugt werden, es ist ständig geschwollen, es bestehen Belastungsschmerzen. Harnsäure- und Entzündungswerte unter Therapie sind normal. Es liegen keine Beschwerden in anderen Gelenken vor. Welche Diagnostik und Therapie kommen in Frage?

PD Dr. Klaus Lerch: Dem Erguss könnte eine Prothesenlockerung zugrunde liegen. Foto: Klin. Landshut

Antwort von Privatdozent Dr. Klaus Lerch, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Landshut:

Die Ergussbildung kann drei Ursachen haben:

- chronischer, schleichender periprothetischer Infekt als Spätinfektion, die nicht unbedingt mit laborchemischen Entzündungsparametern einhergehen muss;

- eine Prothesenlockerung oder Bandinstabilität;

- einen akuten Gichtanfall, der in Ausnahmefällen auch große Gelenke, vor allem das Kniegelenk, betreffen kann.

Es könnte sich aber auch um eine Komorbidität handeln. Wichtig wäre, ob im primären Kniegelenkspunktat Harnsäurekristalle nachgewiesen worden sind. Um die derzeitigen Beschwerden zu klären, würde ich so vorgehen:

- klinische Untersuchung zur Kontrolle der Beweglichkeit und Bandinstabilität sowie der Beinachse;

- Röntgenuntersuchung des Kniegelenkes in zwei Ebenen und

- Patella-Tangentialaufnahme mit der Frage nach Lockerungszeichen, nach der Position der Prothesenkomponenten und dem Lauf der Patella im Femurschild;

- bei chronischer Ergussbildung hochsterile Punktion des Kniegelenkes und Untersuchung des Punktates auf Zellzahl mit Bestimmung der weißen Blutkörperchen, mikrobiologische Untersuchung als Kultur und mit Hilfe der PCR zum Nachweis von bakteriellen Gen-Bestandteilen als spezifische Untersuchungsmöglichkeit (Satz des Zentrifugats zur Anzüchtung verwenden, Bebrütungszeit mindestens zwei Wochen!)

Retropatellare Schmerzen durch Hyperkompression und Lateralisierung, sichtbar in der Patella-Röntgen-Tangentialaufnahme, können operativ angegangen werden. Bei Prothesenlockerung oder schleichendem Spätinfekt ist ein Prothesenwechsel indiziert.

Haben auch Sie eine Frage? Dann schicken Sie uns ein Fax (06102 / 506-224) oder eine E-Mail an med@aerztezeitung.de

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