Ärzte Zeitung, 14.02.2008
 

Arthrose-Patienten bevorzugen Therapie mit Ibuprofen-Gel

Topische Analgesie ist besser verträglich

LONDON (gvh). Es müssen nicht immer Tabletten sein. Äußerlich anzuwendende nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen-Gele sind bei Patienten mit Arthroseschmerzen im Knie genauso effektiv wie Ibuprofen in Tablettenform. Sie haben weniger unerwünschte Wirkungen - und werden von den Betroffenen sogar bevorzugt.

In zwei Studien aus dem Centre for Health Science in London (BMJ 336, 2008, 138 und 142) wurde untersucht, aus welchen Gründen sich Patienten für eine Therapie mit systemischen oder topischen Präparaten entscheiden: Von 303 Patienten, die ihre Behandlung selbst wählen durften, entschieden sich nur 79 Patienten für eine systemische Anwendung, Dagegen bevorzugten 224 Patienten eine topische Anwendung.

Jeder sechste Patient wechselte von Tabletten auf das Gel

Die Patienten machten ihre Entscheidung für eine Therapieform von vermuteten unerwünschten Wirkungen, der praktischen Anwendbarkeit, der Art der Schmerzen oder angenommenen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten abhängig.

16 Prozent der Patienten mit systemischen Antirheumatika wechselten aufgrund häufiger unerwünschter Wirkungen (UAW) zur topischen Therapieform, andersherum wechselten nur 1 Prozent der topisch behandelten Patienten zur systemischen Therapie. Bei systemischer Therapie hatten 17 Prozent UAW, bei topischer Therapie 7 Prozent.

Nicht nur pharmakologische Faktoren sind für den Erfolg der Behandlung entscheidend. Vorlieben oder Abneigungen eines Patienten für eine Therapieform, bedingt durch den individuellen Informationsstand, die Erfahrungen oder Vorstellungen sind ebenso wichtig.

So entschieden sich Arthrosepatienten mit schweren, konstanten Beschwerden im Knie meist für Ibuprofen-Tabletten. Patienten mit vorübergehenden Schmerzen und Patienten, die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten befürchten, bevorzugten eher ein Ibuprofen-Gel.

Die Studien-Autoren bestätigen, dass eine gemeinsam mit dem Patienten getroffene Entscheidung über die Behandlungsweise die Therapietreue begünstigt.

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