Ärzte Zeitung, 04.11.2008

Der diagnostische Blick - ist es eine Polyarthritis oder eine Polyarthrose?

Häufiger als die chronische Polyarthritis ist die Polyarthrose der Fingergelenke. Die differenzialdiagnostische Abgrenzung ist wichtig, denn die Prognose der Polyarthrose ist günstiger als die einer Rheumatoiden Arthritis oder einer Psoriasis-Arthropathie.

Von Thomas Meißner

Hände einer Patientin mit - arthrotischen - Schwellungen der Fingermittel- und Fingerendgelenke.

Die Angaben zur Prävalenz der Finger-Polyarthrose schwanken bei Frauen zwischen 20 und 30 Prozent, bei Männern zwischen 5 und 20 Prozent. Typische Beschwerden seien anfangs Missempfindungen, Kälteempfindlichkeit und Morgensteifigkeit, schreiben Privatdozent Alexander Schuh und Dr. Wolfgang Hönle vom Klinikum Neumarkt in der "Münchner Medizinischen Wochenschrift" (36-37, 2008, 5). Die Schmerzen sind im Unterschied zu entzündlich-rheumatischen Krankheiten jedoch gering ausgeprägt oder fehlen ganz. Vielmehr stören sich die Patienten an den später auftretenden Knoten.

Schuh und Hönle beschreiben den Fall einer 60-jährigen Patientin mit zunehmender Deformierung der Langfinger. Anfangs hatte sie Schmerzen in den Fingermittel- und Fingerendgelenken; diese seien jedoch in den vergangenen Monaten rückläufig gewesen. Dagegen konnte sie die Finger immer schlechter bewegen. Die Rheumaserologie war unauffällig. Röntgenaufnahmen beider Hände ergaben arthrotische Veränderungen mit verschmälerten Gelenkspalten der Fingermittelgelenke und destruierten Fingerendgelenken.

Im Röntgenbild sichtbar werden Verschmälerungen der Gelenkspalten an den Fingermittelgelenken.

Fotos: A. Schuh

Unterschieden werden Erkrankungen der Endgelenke (Heberdenarthrose), der Mittelgelenke (Bouchardarthrose) sowie des Daumensattelgelenks (Rizarthrose). Heberdenarthrose sowie die Kombination von Heberden- und Bouchardarthrose machen zusammen etwa 70 Prozent der Interphalangeal-Arthrosen aus. Isolierte Bouchard- und Rizarthrosen sind selten. Nur fünf Prozent der Heberden- und Bouchardarthrosen verliefen destruierend, so die Neumarkter Orthopäden.

Die konservative Therapie besteht in Wechselbädern, analgetisch-antiphlogistischer Behandlung sowie der Elektrotherapie. Hilft das nicht, können Operationen nötig sein, wobei das Abtragen von Osteophyten oder die chirurgische Behandlung von Zysten meist nicht erfolgreich sei, so Schuh und Hönle. Vielmehr seien dann Arthrodesen angezeigt. Kritisch äußern sich die Orthopäden zum Kunstgelenkersatz. Dies sei zwar mit großer subjektiver Zufriedenheit der Patienten verbunden, jedoch seien die Lockerungs- und Revisionsraten hoch.

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