Ärzte Zeitung, 01.03.2012

Zweifel an Sicherheit von Hüftimplantaten aus Kobalt-Chrom

NEU-ISENBURG (eis). Das britische Pendant zum BfArM - die Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) - rät Patienten mit einem speziellen Typ von Hüftendoprothesen, sich jährlich untersuchen zu lassen.

Anlass ist ein Bericht des "British Medical Journal" (BMJ) und des Nachrichtendienstes BBC zur Sicherheit von Metall-auf-Metall-Implantaten (BMJ 2012; online 28. Februar).

Bei diesen reibt der Gelenkkopf aus Metall in der Gelenkpfanne aus Metall. Besonders bei Kobalt-Chrom-Implantaten sei es möglich, dass giftiger Abrieb in den Körper gelange.

Wer in Großbritannien damit versorgt ist, sollte sich jetzt jährlich auf Metall-Ionen im Blut untersuchen lassen; sind die Werte erhöht, sollten mögliche Komplikationen mit MRT abgeklärt werden.

Die Metall ionen könnten Entzündungen sowie Muskel- und Knochennekrosen verursachen - sie stehen zudem im Verdacht, karzinogen zu sein.

Die Journalistin Deborah Cohen vom BMJ verweist darauf, dass diese Metall-auf-Metall-Implantate wegen ihrer Robustheit bisher besonders oft bei jungen aktiven Patienten verwendet worden sind.

Wissenschaftler hätten seit Jahren vor den Gefahren gewarnt. Kritisiert wird jetzt vor allem, dass Medizinprodukte - anders als Arzneimittel - nur nach einer technischen Prüfung (CE-Siegel) auf den Markt kommen dürfen. Klinische Studien zu möglichen Komplikationen werden nicht gefordert.

In Deutschland haben unter anderen Fachgesellschaften und AOK jetzt ein Endoprothesenregister initiiert, dem ab Mitte des Jahres Komplikationen gemeldet werden sollen. Auf Produktmängel könnte damit schneller als bisher reagiert werden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »

Diabetes-Strategie zum Greifen nah

Der gezielte Kampf gegen Diabetes könnte schon bald konkrete Formen annehmen. Zum heutigen Welt-Diabetestag zeichnet sich zwischen Union und SPD ein Kompromiss für eine nationale Diabetes-Strategie ab. mehr »