Ärzte Zeitung App, 26.08.2014

Endoprothetik

Bisphosphonate geben Ersatzgelenken Halt

Patienten mit Endoprothesen könnten von Bisphosphonate profitieren. Hintergrund dafür ist die der antiresorptive Wirkung durch die Präparate.

OXFORD. Die häufigste Ursache für Revisionsoperationen in der Knie- und Hüftgelenksendoprothetik sind aseptische Lockerungen. Bisphosphonate werden wegen ihrer Osteoklasten-hemmenden Wirkung schon länger als mögliche Pharmakoprophylaxe gehandelt. Durch Studien ist gezeigt, dass sie den periprothetischen Knochenabbau vermindern.

Ob sie auch dem Implantatversagen vorbeugen, ist allerdings nicht bewiesen. Bislang gab es hierzu nur eine epidemiologische Studie aus Großbritannien; danach ist die Rate der Korrektureingriffe bei Bisphosphonat-Anwendern fast halbiert.

Immerhin wird diese Beobachtung jetzt durch eine weitere Registeranalyse repliziert: Patienten mit einem Bisphosphonat benötigten in den zweieinhalb Jahren nach dem Ersteingriff fast 60 Prozent weniger Revisionsoperationen. Das berichten Ärzte um Daniel Prieto-Alhambra von der Universität Oxford (Arthritis & Rheumatism 2014; online 21. Juli).

Die Mediziner hatten in einem dänischen Register der Jahre 1998-2007 zunächst 1558 Patienten identifiziert, die sich einer primären Knie- oder Hüftgelenkersatz-Operation unterzogen und zudem mindestens sechs Monate lang ein Bisphosphonat eingenommen hatten. Ihnen wurden 8966 vergleichbare Patienten ohne Bisphosphonattherapie gegenübergestellt.

Während des medianen Follow-up von 2,6 Jahren wurde bei 27 Bisphosphonatnutzern (1,73 Prozent) und bei 399 Nichtanwendern (4,45 Prozent) eine Revisions-Op. fällig. In den Jahren 1 und 2 betrugen die Raten 0,75 und 1,05 Prozent gegenüber 1,20 und 2,26 Prozent. Damit lag das Revisionsrisiko in der Medikamentengruppe um signifikante 59 Prozent niedriger.

Die Schutzwirkung der Bisphosphonate machte sich allerdings nur bei denjenigen Patienten bemerkbar, die die Medikamente regelmäßig und für mindestens ein Jahr eingenommen hatten. Der Nutzen war außerdem größer, wenn die Therapie nicht vor, sondern erst nach der Operation begonnen worden war.

Die Number Needed to Treat (NNT) beträgt der Registeranalyse zufolge 42: So viele Patienten müssten ein orales Bisphosphonat erhalten, um in den zwei Jahren nach dem Ersteingriff einem Patienten einen Korrektureingriff zu ersparen.

Würde man die Therapie erst postoperativ beginnen, ließe sich die NNT sogar auf 36 reduzieren. Diese Berechnungen setzen allerdings ein kausales Verhältnis voraus. Ob das besteht, kann letztlich nur eine randomisierte kontrollierte Studie herausfinden. Dafür ist es nach Ansicht der Forscher jetzt höchste Zeit. (bs)

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