Ärzte Zeitung online, 13.12.2017

COPD, Diabetes und KHK sind kein Hindernis

Sport tut den Kniegelenken gut – auch bei Multimorbidität

Selbst Arthrosepatienten mit schweren Begleiterkrankungen profitieren von regelmäßigem körperlichem Training. Es gibt allerdings eine Voraussetzung.

Von Dagmar Kraus

COPD, Diabetes und KHK sind kein Hindernis

In der Praxis sind 68 bis 85 Prozent der Arthrosepatienten multimorbide. Das sollte sie aber nicht von regelmäßiger Bewegung abhalten.

© Robert Kneschke / Getty Images / iStock (Symbolbild)

AMSTERDAM. Regelmäßige Trainingseinheiten sind gemäß der internationalen Leitlinie ein wichtiger Bestandteil der Therapie der Kniegelenksarthrose (KOA). In der Praxis jedoch sind 68 bis 85 Prozent der Arthrosepatienten multimorbide. Sie leiden zusätzlich an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, COPD und/oder Übergewicht. Aus Angst, die körperliche Anstrengung könnte mehr schaden als nutzen, werden diese Patienten meist von den empfohlenen Trainingsprogrammen ausgeschlossen.

Zu Unrecht, wie Rehabilitationsmediziner und Orthopäden aus den Niederlanden zeigen konnten (Arthritis Care Res 2017; 69: 807–816). Denn mit einem maßgeschneiderten Trainingsprogramm lassen sich offenbar auch bei Patienten mit schweren Begleiterkrankungen die Arthrose-bedingten Beschwerden sicher und effektiv lindern.

Mindestens eine Begleiterkrankung

Die niederländischen Mediziner hatten 126 Probanden mit KOA zu gleichen Teilen in zwei Gruppen randomisiert. Alle litten zusätzlich an mindestens einer Begleiterkrankung wie koronarer Herzerkrankung, Herzschwäche, Typ-2-Diabetes, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung oder Adipositas (BMI ≥ 30 kg / m2). Der Schweregrad der Begleiterkrankungen musste mit mindestens 2 auf der Cumulative-Illness-Rating-Skala bewertet sein. Patienten, bei denen körperliche Anstrengung absolut kontraindiziert war, etwa bei einem Myokardinfarkt innerhalb der letzten drei Monate, sowie Patienten, die eine totale Knieendoprothese erhalten hatten oder bei denen ein solcher Eingriff in naher Zukunft anstand, waren ebenso von der Studienteilnahme ausgeschlossen wie Patienten, die zuvor bereits an einem Trainingsprogramm teilgenommen hatten. Hinsichtlich Alter, Geschlecht, BMI, Arthrosegrad und Begleiterkrankungen waren beide Patientengruppen vergleichbar.

- im 6-Minuten-Geh-Test hatten sie sich um 15 Prozent verbessert.

Die Patienten der Interventionsgruppe trainierten 20 Wochen lang unter Anleitung eines Physiotherapeuten Kraft und Ausdauer. Dabei wurde die Trainingsintensität anhand der Borg-Skala beurteilt und individuell auf den jeweiligen Gesundheitszustand zugeschnitten und kontinuierlich adaptiert. Die Probanden wurden zudem bestärkt, mindestens fünfmal pro Woche zu Hause zusätzlich zu trainieren. 86 Prozent der Patienten der Interventionsgruppe absolvierten mehr als zwei Drittel der Übungseinheiten (≥ 27 von 40). Neun Probanden trainierten mit niedriger Intensität (Borg-Skala ≤ 11), 40 erreichten eine moderate Intensität (Borg-Skala 12-14) und fünf Probanden sogar eine hohe Intensität (Borg-Skala ≥ 15).

Die Probanden der Kontrollgruppe erhielten lediglich ihre gewohnte Medikation. Das Trainingsprogramm wurde ihnen erst nach Ablauf der Studie angeboten. Die körperliche Leistungsfähigkeit wurde bei allen Probanden zu Studienbeginn sowie nach 10, 20 und schließlich nach 32 Wochen anhand der Subskala "physische Funktion" des Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis-Indexes (WOMAC-pf) und des 6-Minuten-Geh-Tests (6-MWT) beurteilt.

"Sichere und effiziente" Therapie

Die Probanden der Interventionsgruppe schnitten im Studienverlauf deutlich besser ab als die der Kontrollgruppe. Der Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der physischen Leistungsfähigkeit war über die gesamte Zeit in beiden Tests signifikant. Drei Monate nach Studienbeginn hatten sich die Probanden der Interventionsgruppe auf der WOMAC-pf-Skala im Durchschnitt um 11,6 Punkte (33 Prozent) verbessert, im 6-Minuten-Geh-Test um 59 Meter (15 Prozent). Schwerwiegende trainingsbedingte Zwischenfälle traten nicht auf.

Ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm ist auch für KOA-Patienten mit schweren Begleiterkrankungen eine sichere und effiziente Therapieoption, so das Resümee der Studienautoren. Direkt nach dem Trainingsprogramm sowie zwölf Wochen später haben die Probanden der Interventionsgruppe hinsichtlich ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit deutlich besser abgeschnitten als die Probanden der Kontrollgruppe. Nach Ansicht der Studienautoren sollte die Bewegungstherapie bei multimorbiden KOA-Patienten häufiger in Erwägung gezogen werden, auch wenn die Sicherheit angesichts der kleinen Probandenzahl nicht abschließend beurteilt werden könne.

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