Rheuma

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Reaktive Arthritis: Pathogenese – Diagnose – Therapie

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung, 14.06.2004

Korrekte Chirotherapie ist keine Gefahr für intakte Halsgefäße

HWS-Manipulation bei Gefäßerkrankung tabu / Aufklärungsbogen hilft weiter

NEU-ISENBURG (mut). Entwarnung für Manualmediziner: Anders als in der Fachliteratur und auch in medizinischen Gutachten immer wieder behauptet, können korrekte manualmedizinische Manipulationen an der Halswirbelsäule kaum die Ursache für Gefäßdissektionen sein. Darauf weist jetzt eine Analyse von über 70 Publikationen hin.

Chirotherapie an der Halswirbelsäule: Sind bei Patienten keine Gefäßerkrankungen bekannt, müssen Ärzte keine Komplikationen befürchten. Foto: K. Rose

In ihrer Analyse fanden die Autoren keine stichhaltigen Belege für einen kausalen Zusammenhang zwischen Chirotherapie und Gefäßdissektion. Sie schließen daraus, daß es sich bei Patienten mit gesunden Gefäßen, die nach einer HWS-Manipulation eine Dissektion, meist der Vertebralarterie, bekommen haben, nur um eine zeitliche Koinzidenz gehandelt hat (Manuelle Medizin 2, 2004, 109).

Bestimmte Bindegewebskrankheiten können jedoch das Dissektionsrisiko erhöhen. Dazu zählt etwa die fibromuskuläre Dysplasie, von der etwa ein Prozent der Bevölkerung betroffen ist, oder das noch seltenere Marfan-Syndrom. Solche Erkrankungen sind Kontraindikationen für eine HWS-Manipulation, ebenso genetisch bedingte Thrombophilien, sagte Professor Toni Graf-Baumann von der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin (DGMM) zur "Ärzte Zeitung". Nach diesen Krankheiten müsse daher gefragt werden.

Bei Patienten mit Osteoporose sollte ebenfalls auf Manipulationen verzichtet werden. Vorsicht ist zudem bei fortgeschrittener Atherosklerose geboten. Vor jeder HWS-Manipulation sollten konventionelle Röntgenbilder in zwei Ebenen gemacht werden, aufwendige bildgebende Untersuchungen sind in der Regel nicht nötig.

Um Risikofaktoren für eine Dissektion herauszufinden, ist ein Aufklärungsbogen mit Anamnese-Teil hilfreich. Darin werden Kontraindikationen abgefragt und die Patienten über mögliche Gefahren informiert.

Die DGMM rät zu einen Aufklärungsbogen vom DIOmed Verlag, Fax: 0 95 22 / 94 35 35, Bestell-Nr. 08/200

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Beim Einparken eines Autos wirken oft stärkere Kräfte auf die Halsgefäße als bei einer HWS-Manipulation

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »