Ärzte Zeitung, 28.01.2005

Titan-Klammern stoppen Skoliose ohne Versteifung

Neue OP-Methode / Kinder mit progredienter Skoliose

HAMBURG (ner). Ein neues Op-Verfahren zur Behandlung von Kindern mit Skoliose ist erstmals im Hamburger Kinderkrankenhaus Altona angewandt worden. Dabei werden die Wirbelzwischenräume stabilisiert, ohne das Wirbelsäulensegment versteifen zu müssen.

Mit einem speziellen Instrument (links) wird eine Metallklammer aus einer Nickel-Titan-Legierung in die Wirbelkörper geheftet. Foto: Medtronic Inc.

Bei einem neunjährigen Jungen war erfolgreich ein Tumor im thorako-lumbalen Übergang entfernt worden. Im Verlauf von zwei Jahren verschlechterte sich seine Skoliose von 24 Grad auf 49 Grad.

Privatdozent Dr. Ralf Stücker von der Kinderorthopädischen Abteilung entschied sich daraufhin für die Implantation von U-förmigen Klammern aus einer speziellen Titan-Nickel-Legierung. Diese Klammern sind gekühlt frei modellierbar und haben ein Formgedächtnis.

Nach Implantation in die Wirbel und Erwärmung auf Körpertemperatur härten sie aus und versuchen, in eine vordefinierte Kreisform zurückzukehren. Auf diese Weise könne nicht nur das Fortschreiten der Skoliose gestoppt werden, so Stücker. Der Wirbelsäulenchirurg rechnet sogar mit der Korrektur der Verkrümmung.

Wenn die Aufrichtung der Wirbelsäule mit konservativen Maßnahmen nicht möglich ist, wird bislang üblicherweise die Wirbelsäule versteift. Dies kam aufgrund des Alters des Patienten nicht in Frage.

Die von dem US-amerikanischen Unternehmen Medtronic Inc. entwickelten SMA (Shape Memory Alloy) Staples werden in minimal-invasiver Technik in die Wirbelsäule eingebracht und können ab einem Alter von acht Jahren bis etwa ein Jahr vor Ende des Wachstums verwendet werden.

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