Ärzte Zeitung, 14.03.2005

Hüftgelenk-Sono plus Spreizhose erspart vielen Kindern die Op

Für ihr Hüftgelenk-Screening-Projekt haben drei Kollegen den Hufeland-Preis erhalten

KÖLN (kas). Für den Nachweis des Nutzens des Hüftgelenk-Screenings bei Neugeborenen haben die Aachener Orthopäden Dr. Nicola Ihme und Professor Fritz Uwe Niethard sowie der Münchener Epidemiologe Professor Rüdiger von Kries den Hufeland-Preis 2004 bekommen. Der zum 45. Mal verliehene Preis ist mit 20 000 Euro dotiert und wurde 1959 von der Deutschen Ärzte-Versicherung AG gestiftet.

Dr. Nicola Ihme und Professor Fritz Uwe Niethard bei der Hüftuntersuchung eines Neugeborenen. Foto: Deutsche Ärzte-Versicherung

Am 1. Januar 1996 wurde in Deutschland ein generelles Ultraschall-Screening aller in Deutschland Neugeborenen auf Hüftreifungsstörungen und -verrenkungen eingeführt. Mit dieser neuen, von dem österreichischen Orthopäden Reinhard Graf entwickelten Methode sollen auch leichtere Formen von Hüftdysplasie erfaßt werden. Das Screening zielt darauf, durch frühzeitige konservative Korrekturmaßnahmen, etwa eine Spreizhose oder breites Wickeln, die Notwendigkeit von Operationen zu verringern und spätere Hüfterkrankungen zu vermeiden.

Hüftgelenk wird in den ersten sechs Wochen untersucht

Die Aufnahme in den Vorsorgekatalog stand aber unter Vorbehalt des Nachweises der Effektivität, zumal das Screening - anders als in Österreich - in Deutschland gestaffelt erfolgt. Neugeborene mit Risikofaktoren wie Familienangehörige mit Hüfterkrankungen oder Geburt aus Beckenendlage sollen in der ersten Lebenswoche untersucht werden, alle anderen erst in der vierten bis sechsten Lebenswoche.

Verleihung des Hufeland-Preis 2004: Professor Fritz Uwe Niethard (links), Dr. Nicola Ihme und Professor Rüdiger von Kries. Foto: dpa

Die nun ausgezeichneten Kollegen haben fünf Jahre lang die Daten aller Kinder erfaßt, die aufgrund von Hüftdysplasie oder -luxation im Alter von zehn Wochen bis fünf Jahren stationär behandelt wurden. Dabei zeigte sich, daß heute bei 0,26 pro 1000 (1:4000) Lebendgeborenen deshalb erste operative Maßnahmen erfolgen.

Vor Einführung des Ultraschall-Screenings waren es mit 1,26 pro 1000 Lebendgeborene noch fünfmal so viele. Im europäischen Vergleich hat Deutschland damit die niedrigste Inzidenz operativer Maßnahmen in dieser Indikation. Durch ein besseres Einhalten des Zeitfensters und die Steigerung der Teilnahmerate von derzeit 90 Prozent könnte nach Einschätzung von Ihme die Operationsrate nochmal halbiert werden.

Niethard wies bei einer Pressekonferenz in Köln aus Anlaß der Preisverleihung auch darauf hin, daß mit dem Ultraschall-Screening immense Kosten vermieden würden. Unbehandelt führen Hüftreifungsstörungen meist schon im dritten Lebensjahrzehnt zu erheblichen Problemen wie einer Hüftdysplasie-Coxarthrose, die im vierten Lebensjahrzehnt oft eine Invalidisierung zur Folge haben.

Als unmittelbare Folge der von der KBV und den Kassen finanzierten Studie ist das Hüftgelenk-Screening zum dauerhaften Bestandteil der Vorsorge geworden.

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