Ärzte Zeitung online, 15.08.2008

Homöopathikum plus Aminosäuren: Option bei Muskelzerrungen

LONDON (ner). Für eine effektive Therapie bei Muskelzerrungen sind Eis, Kompression und frühe, schmerzfreie Bewegungsübungen innerhalb von 24 Stunden essenziell, meint ein internationales Expertengremium aus Sportmedizinern. Aufsehen erregte bei dem Expertentreffen der bekannte Arzt für Orthopädie und Sportmedizin Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wolfahrt aus München mit seiner aus zwei Komponenten bestehenden Injektionstherapie.

Homöopathikum plus Aminosäuren: Option bei Muskelzerrungen

Foto: valentinrussanov© www.fotolia.de

Müller-Wohlfahrt praktiziert seit Jahren bei Profi-Sportlern mit Muskelzerrungen und Faserrissen die Injektion des Aminosäuregemischs Actovegin® und des homöopathischen Mittels Traumeel® S. Am Tag des Unfalls sowie nach zwei und vier Tagen injiziert er diese Medikamente nach lokalanästhetischer Vorbereitung an verschiedene Stellen des gezerrten Muskels.

Das Aminosäuregemisch soll die Muskelfasersynthese anregen sowie detonisierend wirken, das Homöopathikum die Freisetzung von Entzündungsmediatoren unterdrücken und antiinflammatorisch wirkende Zytokine auf den Plan rufen, so der Sportarzt und seine Kollegen im "British Journal of Sports Medicine" (42, 2008, 158).

Zudem infiltriert Müller-Wohlfahrt das Gemisch ins Gebiet der korrespondierenen Nervenwurzeln, und zwar sowohl epidural als auch paravertebral, da er davon überzeugt ist, dass Nervenwurzelreizungen häufig Muskelfaserrisse mit verursachen.

Die Expertengruppe um Dr. John W. Orchard von der Universität Sydney in Australien betont, dass für dieses Vorgehen keine ausreichende klinische Evidenz vorliege. Es sei schwer, Elitesportler für randomisierte, kontrollierte Studien zu gewinnen. Die Ergebnisse der Grundlagenforschung sprächen jedoch dafür, dass eine Inflammationskontrolle sich günstig auf den Heilungsprozess und die spätere Funktionalität der Muskulatur auswirken.

Kritisch sehen die Sportärzte die Verwendung von nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR). Eine generelle Verwendung von NSAR bei Muskelzerrungen lehnen sie ab, da sie möglicherweise Rezidive provozierten, denn das Warnsignal Schmerz werde unterdrückt.

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