Ärzte Zeitung online, 13.08.2008

Punktion von Baker-Zysten nur bei großen Exemplaren nötig

NEUMARKT (ner). Plötzlich auftretende Schwellungen in der Kniekehle in Verbindung mit anderen Kniebeschwerden sprechen für eine Baker-Zyste. Solche Zysten können manchmal Unterschenkelthrombosen vortäuschen - oder auslösen.

Punktion von Baker-Zysten nur bei großen Exemplaren nötig

Eine Beule dorsal im Knie ist verdächtig auf eine Baker-Zyste.

Foto: Privatdozent Alexander Schuh, Klinikum Neumarkt

Ursache von Baker-Zysten sind meist Kniebinnen-Erkrankungen, die mit einem Erguss einhergehen. Lässt sich die Ursache beseitigen, verschwinden die Ausstülpungen der dorsalen Gelenkkapsel oft spontan. Es gibt zwar auch primäre Zysten, die angeboren sind. Meist jedoch handelt es sich um Patienten in fortgeschrittenem Alter und es liegen zum Beispiel Meniskusläsionen, eine Arthrose oder Arthritis vor, so Privatdozent Dr. Alexander Schuh und Dr. Wolfgang Hönle vom Klinikum Neumarkt (MMW 25, 2008, 5).

Sie beschreiben die Krankheitsgeschichte eines 65-jährigen Mannes mit seit einer Woche bestehender Schwellung in der linken Kniekehle. Seit Jahren war eine retropatellare Schmerzsymptomatik bekannt. Bei der Untersuchung fiel eine prallelastische Schwellung mit einem Durchmesser von etwa zehn Zentimetern auf. Die Ultraschalluntersuchung ergab einen echoarmen, septierten Befund und bestätigte den Verdacht auf eine Baker-Zyste. Die Orthopäden punktierten 100 ml einer serösen Flüssigkeit und legten einen Kompressionsverband an.

Da sich große Kniegelenkszysten in den Unterschenkel fortsetzen können, muss in diesen Fällen differenzialdiagnostisch eine Phlebothrombose oder ein arterielles Aneurysma ausgeschlossen werden, etwa per Duplexsonografie. Die Punktion empfehlen Schuh und Hönle nur bei störenden Zysten, eventuell mit zusätzlicher Instillation eines Kortikoids. Oft ist jedoch keine spezifische Therapie vonnöten, da die Zysten spontan verschwinden. Ausgeprägte Zysten dagegen müssen punktiert werden, so die Orthopäden. Denn dann bestehe die Gefahr, dass die Vena poplitea komprimiert und eine Thrombose ausgelöst werde. Die Zysten-Extirpation geht mit Rezidivraten zwischen 6 und 63 Prozent einher. Bei Rezidivzysten sollte deshalb primär der intraartikuläre Schaden saniert werden.

Woher die Zyste ihren Namen hat:

Benannt sind Baker-Zysten nach dem englischen Chirurgen William Morrant Baker (1839 bis 1896). Jedoch nicht Baker, sondern Guillaume Dupuytren (1828) und R. Adams (1840) werden die ersten Beschreibungen von Poplitealzysten zugeschrieben. Allerdings war es Baker, der 1877 einen Zusammenhang zwischen Kniegelenks-Zysten und Gonarthrose herstellte und darüber in den Saint Bartholomew's Hospital Reports im Jahre 1885 publizierte.

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