Ärzte Zeitung online, 29.08.2008

Mit maßgeschneiderten Plastiken werden Schädeldefekte gut versorgt

NEU-ISENBURG (eb). Große Schädeldefekte lassen sich gut durch maßgeschneiderte Plastiken aus einer Knochen-ähnlichen Substanz rekonstruieren. Die Implantate werden seit zehn Jahren erfolgreich angewandt, berichtet das Unternehmen Codman.

Die Plastik wird anhand eines digitalen Modells hergestellt.

Fotos: Codman

Das Material Hydroxylapatit verhält sich nach Angaben des Herstellers wie natürlicher Knochen. Die chemische Zusammensetzung entspricht der mineralischen Zusammensetzung des menschlichen Knochens. Auch die Porosität des Materials ist der des Schädelknochens sehr ähnlich.

Die Plastiken für die Patienten werden vom sogenannten CustomBone Service des Unternehmens angeboten. Sie sind indiziert zur Rekonstruktion großer und komplexer Schädeldefekte bei Dekompressionskraniotomie, Frakturen aufgrund von Traumata, Tumorresektion und Absorption zuvor verwendeter Materialien.

Mit digitalen Daten von Computertomografie-Bildern des Patienten wird ein Computermodell seines Schädels in 3D erstellt. Anhand des virtuellen Modells wird ein synthetisches 3D-Modells mit Stereolithografie angefertigt. Dabei wird Schicht für Schicht ein feiner Epoxidharz per Laserstrahl gehärtet. Das resultierende Modell dient wiederum zur Herstellung eines maßgeschneiderten Prototyps des Implantats.

Zusammen mit den Chirurgen wird der Prototyp sorgfältig auf eventuell notwendige Modifikationen hin geprüft. Dieser Schritt ist außerordentlich wichtig, damit die bestmöglichen Operationstechnik ausgewählt und das optimale ästhetische Ergebnisse erzielt werden können. Anschließend wird das endgültige Implantat den Vorgaben getreu hergestellt, überprüft und steril zum Krankenhaus geliefert.

Die Erfahrungen bestätigen die Wirksamkeit des Verfahrens. In 65 europäischen neurochirurgischen Zentren wurden Patienten mit den maßgeschneiderten Plastiken versorgt. Nachuntersuchungen an 232 Patienten, die zwischen 1998 und Februar 2006 an diesen Zentren operiert wurden, zeigen eine Erfolgsrate von 95 Prozent.

Als Komplikationen kam es bei einem Patienten zum Absenken des Implantats, bei einem Patienten zu einer spontanen Fraktur und bei vier Patienten zu einer Infektion. Alle weiteren Komplikationen seien nicht durch das Verfahren bedingt gewesen.

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