Ärzte Zeitung online, 24.03.2009

Ganzkörper-CT bei Schwerverletzten erhöht Überlebenswahrscheinlichkeit

München (eb). Schwerverletzte haben eine signifikant höhere Überlebenschance, wenn sie während der Frühphase der Schockraumversorgung mittels Ganzkörper-Computertomografie (CT) untersucht werden. Dies belegt eine aktuelle multizentrische Studie der Forschungsgruppe "Polytrauma" am Klinikum der Universität München (LMU).

Schockraumversorgung eines Schwerverletzten mit CT am Klinikum Großhadern in München.

Foto: LMU

Für die Studie wurde das Traumaregister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) ausgewertet (The Lancet, online vorab, März 2009). Es wurden die Daten von 4.621 schwer verletzten Patienten aus Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert. Die Autoren verglichen die tatsächliche und die erwartete Sterblichkeitsrate von schwerstverletzten Patienten mit und ohne Ganzkörper-Computertomografie.

1.494 Patienten (32%) wurden nach Klinikeinlieferung in der Notaufnahme mittels Ganzkörper-CT untersucht. Durchschnittlich dauert ein solches CT zwischen 5 und 15 Minuten. Die risikoadjustierte Mortalitätsanalyse ergab, dass die tatsächliche Sterblichkeit bei schwer verletzten Patienten mit Ganzkörper-Computertomografie signifikant niedriger war als die erwartete, verglichen mit den Patienten, die keine Ganzkörper-Computertomografie erhielten.

Grundsätzlich, so fanden die Forscher heraus, kommt es zu einer relativen Reduktion der Sterblichkeit von 25% bzw. 13%, je nachdem, welches Prognosemodell angewendet wird. Als Gründe hierfür werden der enorme Zeitgewinn sowie die frühe und zielgerichtete Therapie in Kenntnis des kompletten Verletzungsmusters des Patienten gesehen.

Für die beteiligten Forscher ergeben sich daraus interessante Hinweise auf die Erstversorgung und Ansatzpunkte für die Anforderungen an Kliniken. "Bereits heute", sagt Oberarzt Dr. Stefan Huber-Wagner von der Chirurgischen Klinik der LMU, "wird im Rahmen der durch die DGU initiierten Traumanetzwerkbildung für die Zertifizierung einer Klinik als überregionales bzw. regionales Traumazentrum die 24-Stunden-Verfügbarkeit einer Ganzkörper-Computertomografie in Schockraumnähe gefordert. Der Trend wird sicherlich dahingehen, leistungsstarke Computertomografen baulich in den Schockraum zu integrieren. Somit können Verzögerungen durch lange innerklinische Transportwege reduziert werden. Dies wird bereits an einigen Klinikstandorten erfolgreich praktiziert."

Abstract des Artikels "Effect of whole-body CT during trauma resuscitation on survival: a retrospective, multicentre study"

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