Ärzte Zeitung, 14.10.2009

Das gibt's: Karpaltunnelsyndrom bei Kindern

Es ist ein typisches Krankheitsbild, das bei Erwachsenen auftritt: das Karpaltunnelsyndrom. Gelegentlich kann das Syndrom aber auch bei Kindern vorkommen, wie der Fall eines vierjährigen Mädchens belegt, bei dem der Verdacht sich bei einer Operation bestätigte.

Von Thomas Meissner

zur Großdarstellung klicken

Nachweis des Ganglions im Karpalkanal zwischen dem Os capitatum und den Beugesehnen.

Foto: Strassmair/Klinikum Starnberg

STARNBERG. Andauernde Schlafprobleme eines vierjährigen Mädchens hatten ihre Ursache in heftigen Schmerzattacken in einer Hand. Der Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom bestätigte sich bei der Operation.

Die Symptome waren typisch: wiederkehrende Schmerzattacken, wobei der ersten drei Finger taub wurden; durch Schütteln der Hand konnte das Mädchen die Symptome lindern. Der Starnberger Handchirurg Dr. Michael Strassmair fand jedoch bei der klinischen Untersuchung keine Auffälligkeiten. Auf Nachfrage gab das Mädchen ein allenfalls mildes Taubheitsgefühl im Daumen der betroffenen Hand an, wie Strassmair in der Zeitschrift "Orthopädie & Rheuma" (5, 2009, 72) berichtet.

Wegen des Alters des Kindes verzichtete Strassmair in Absprache mit den Eltern auf die invasive Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Stattdessen erfolgte eine Kernspintomografie in einer offenen Extremitätenspule ohne Narkose.

Auf den Bildern war ein tumoröses Gebilde am Boden des Karpalkanals zu erkennen. Bei der Operation mit Spaltung des Retinaculum flexorum fand Strassmair zwischen den tiefen Beugesehnen und dem Os capitatum ein großes synoviales Ganglion, das er entfernen konnte.

Der weitere Verlauf war komplikationslos. Die Schmerzattacken traten nicht mehr auf, auch nach 18 Monaten war kein negativer Einfluss des Eingriffs auf das Handwachstum festzustellen. Das Fazit Strassmairs: Ein typisches Krankheitsbild bei Erwachsenen kann gelegentlich auch bei Kindern auftreten.

Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch chronischen Druck auf den Nervus medianus im Karpaltunnel. Frauen sind etwa zehnmal häufiger betroffen als Männer, bevorzugt zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr oder in der Schwangerschaft. Es kommt aber auch relativ häufig bei Arthrose-Patienten im fünften oder sechsten Dezennium vor. Meist ist die Arbeitshand betroffen, oft jedoch auch beide Hände.

Auslöser eines Karpaltunnelsyndroms sind wiederholte Belastungen des Handgelenks mit erheblichen Beuge- und Streckbewegungen, hormonelle Ursachen, Flüssigkeitseinlagerungen bei Stoffwechselerkrankungen oder knöcherne Einengungen nach Knochenbrüchen.

Die falsch positionierte Tastatur eines Computers kann ebenso zu Reizungen und einem Anschwellen der Sehnenscheiden führen wie ein Fahrradlenker, der falsch eingestellt ist.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »