Ärzte Zeitung online, 04.05.2010

Doping: Forscher weisen höhere Leistungsfähigkeit durch HGH nach

SYDNEY (dpa). Australische Wissenschaftler haben erstmals den Nachweis erbracht, dass die Einnahme des Wachstumshormons (HGH) leistungssteigernde Wirkung hat. Allerdings sind die physischen Verbesserungen eher mäßig und allein im Sprint gewinnbringend.

"Dies ist der erste Beweis, dass HGH die Leistung verbessert und zurecht auf der Liste der verbotenen Doping-Mittel steht", sagte Ken Ho, Leiter der Studie am Garvan Institute für Medizinische Forschung in Sydney.

Die Einnahme von HGH führt laut dieser Untersuchung, an der sich rund 100 Freizeitsportler beteiligten, aber zu keiner Erhöhung von Kraft und Fitness beim Menschen. HGH wird in der Hirnanhangdrüse produziert, fördert das Knochenwachstum und kann inzwischen auch industriell hergestellt werden. Die verbotenen Einnahme von HGH ist seit 2004 nachweisbar, wird aber noch nicht als Regeltest verwendet. Im Februar ist jedoch erstmals ein britischer Rugby-Spieler, Mark McGwire, des HGH-Dopings überführt und daraufhin gesperrt worden.

Wie die australische Studie zeigt, verbessert der HGH-Konsum weder Kraft noch Ausdauer, sondern nur die Explosivität der Muskulatur. Im Radsprint wurde ein Steigerung der Leistung um vier Prozent gemessen. Zudem spekulieren die Forscher, das im 100-Meter-Sprint der Leichtathleten in einem Zeitrahmen von 10 Sekunden HGH-Doping die Schnelligkeit um eine halbe Sekunde verbessern kann. Dieser minimale Zeitvorteil "teilt die Gewinner von den Platzierten", sagte Ho.

Für die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), die die Untersuchung mitfinanziert, sind die Ergebnisse nicht überraschend. Sie würde die Skeptiker aber widerlegen, die HGH nicht für leistungssteigernd halten. "Es gibt so eine große Anzahl von anekdotischen Beweisen, die belegen sollten, dass HGH keinen Vorteil schafft", sagte WADA-Generaldirektor David Howman. Experten mutmaßen, dass HGH eher mehr benutzt werden könnte, die Nachweisbarkeit von Testosteron-Doping zu reduzieren.

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