Ärzte Zeitung online, 06.12.2011

Weihnachtszeit - harte Zeit für Gichtpatienten

Experten der Deutschen Rheuma-Liga beantworten Fragen in Online-Forum

Was dürfen Patienten mit Gicht essen, was sollten sie besser meiden? Ist Alkohol generell verboten oder darf sich auch ein Gichtpatient mal ein Gläschen gönnen? Antworten auf diese und ähnliche Fragen bietet die Deutsche Rheuma-Liga vom 7. bis 14. Dezember in einem in Online-Forum.

BONN (eb). Eine krosse Weihnachtsgans mit Bratensauce, dazu ein Glas Rotwein - für Gichtbetroffene ist ein solcher Schmaus tabu. Denn Fleisch ist reich an Purinen und Alkohol erschwert das Ausschwemmen der Harnsäure.

Beides kann bei Gichtpatienten schmerzhafte Gelenkbeschwerden auslösen, warnt die Deutsche Rheuma-Liga (DRL) in einer Mitteilung. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, können die Gelenke auf Dauer Schaden nehmen.

Warum das so ist und was man selbst tun kann, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen, erfährt man im Internetforum der Deutschen Rheuma-Liga vom 7. bis 14. Dezember 2011.

Als Experten beraten: Professor Stefan Schewe, Rheumazentrum München e.V., Medizinische Poliklinik der Universität München, und Professor H.-E. Schröder, Facharzt für Innere Medizin/Rheumatologie und Nephrologie, Geriatrie, Zeisigwaldkliniken Bethanien, Chemnitz. Tipps zur gichtgerechten Ernährung gibt Diätberaterin Steffi Wagner vom Klinikum Bethanien.

Gicht: Meist angeborene Stoffwechselerkrankung

Gicht ist eine meist angeborene Stoffwechselerkrankung, bei der es zu einer erhöhten Konzentration von Harnsäure im Blut kommt.

Dieses Abfallprodukt des Zellstoffwechsels kann von den Betroffenen nicht optimal über die Nieren ausgeschieden werden. Daher kommt es bei einem Überangebot von Harnsäure zu Ablagerungen dieser Substanz in kristalliner Form in Gelenken, Nieren, aber auch Weichteilen.

Ansammlungen von Harnsäurekristallen in der Gelenkflüssigkeit können zu arthritisähnlichen Schmerzattacken führen. Zwei Prozent der Bundesbürger sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie an Gicht erkrankt.

Gichtanfall: Meist ist der große Zeh betroffen

"Bei einem Gichtanfall ist meist das Grundgelenk des großen Zehs betroffen. Es rötet sich, schwillt an und schmerzt stark", so Schewe in der DRL-Mitteilung.

Bei einem Großteil der Patienten klingen die Beschwerden innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen von selbst wieder ab. Doch nur ein dauerhaftes Senken des Harnsäurespiegels kann ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern.

"Deshalb ist es so wichtig, bei Gichtpatienten einen Harnsäurespiegel von unter 6 mg/dl zu erreichen", betont Schewe.

Hierfür stehen mehrere Medikamente zur Verfügung, die die Produktion von Harnsäure im Körper vermindern. Zudem kommen Wirkstoffe zum Einsatz, die das Ausscheiden der Harnsäure über die Nieren verbessern.

Ernährung: nur ein Teil der Gichttherapie

Bei der Ernährung gilt: Wenig Fleisch, dabei vor allem die Haut entfernen, keine Fleischbrühe, möglichst frisch kochen und auf Fertigprodukte verzichten, die häufig mit Fleischkonzentrat angereichert sind.

Milchprodukte, Gemüse, Obst, Reis, Kartoffeln oder Nudeln sind jederzeit erlaubt. Dabei sollte man viel trinken, aber möglichst auf Alkohol, egal ob Bier oder Wein, verzichten.

Mehr Informationen für Gichtbetroffene gibt es im zweiseitigen Infoblatt "Gicht", das bei den Rheuma-Liga-Verbänden kostenlos bestellt werden kann und das auch im Internet verfügbar ist.

Das Online-Forum Gicht läuft vom 7. bis 14. Dezember: www.rheuma-liga.de

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