Ärzte Zeitung, 15.09.2012

Op-Wunden

Heilung auch ohne Verband

Mit oder ohne Verband? Offenbar kommt es bei Op-Wunden darauf nicht an: Denn in einer Studie waren an der Luft belassene Wunden nicht öfter infiziert als jene, die unter Abdeckungen heilten.

Op-Wunden heilen ohne Verband genauso gut

Welche Auflage zum Verbinden einer chirurgischen Wunde verwendet wird, sollte zum Beispiel von ihrer Fähigkeit abhängen, Exsudat zu absorbieren.

© photos.com PLUS

NOTTINGHAM (rb). Ob man eine Op-Wunde nach dem Verschluss mit einem Verband versorgt oder nicht, spielt für das Infektionsrisiko offenbar keine Rolle.

Das wollen britische und australische Chirurgen im Zuge einer Metaanalyse herausgefunden haben (Br J Surg 2012; 99: 1185-1194).

Die Forscher haben sich 16 randomisierte und kontrollierte Studien zu dem Thema angesehen, an denen 2594 chirurgische Patienten beteiligt waren.

Operationen aller Kontaminationsgrade waren vertreten, von Eingriffen ohne Eröffnung des Brust-, Bauch oder Beckenraums bis hin zur Deckung von Eingeweideperforationen. Die Infektionsraten variierten in den einzelnen Kategorien zwischen 5 und 30 Prozent.

Die Verbände reichten vom Gazeverband über Materialien wie Alginat, Polymeren und Hydrokolloiden bis zu antimikrobiellen und Matrixauflagen. Ermittelt wurde aber nicht nur die Rate an Infektionen, die sich unter den einzelnen Verbänden entwickelten.

Vielmehr ging es auch darum zu erfahren, was passierte, wenn gar kein Verband angelegt wurde. Bei allen Wunden war eine Primärheilung intendiert.

Es fanden sich keine Belege dafür, dass irgendein Wundverband einer anderen Methode in puncto Infektionsabwehr überlegen wäre. An der Luft belassene Wunden waren nicht öfter infiziert als jene, die unter Abdeckungen aller Art heilten.

Schmerzen, Vernarbung, Akzeptanz bei den Patienten: Bei keinem dieser Parameter gab es statistisch auffällige Differenzen. "Das Verbinden chirurgischer Wunden lässt sich nicht mit einer Senkung der Wundinfektionsraten begründen" so die Forscher.

Die Entscheidung für oder gegen bestimmte Auflagen müsse von anderen Faktoren abhängen, etwa von der Fähigkeit, Exsudat zu absorbieren, oder den Kosten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Ein steiniger Weg nach Deutschland

Ob geflohen vor Krieg oder eingewandert aus anderen Teilen der Welt: Wer als ausländischer Arzt in einer deutschen Klinik oder Praxis arbeiten will, muss Ausdauer haben – und gutes Deutsch können. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »