Ärzte Zeitung online, 14.02.2014

Rotatorenmuskulatur

Ein Manschettenriss kommt selten allein

Risse der Rotatorenmanschette einer Schulter sind ein Risikofaktor für Risse auf der gegenüberliegenden Seite. Ein Screening Betroffener scheint nützlich, weil selbst nicht schmerzende Läsionen die Alltagsaktivitäten einschränken können.

MÜNSTER. Rupturen der Rotatorenmanschette sind keine Seltenheit, in der einschlägigen Literatur kursieren abhängig vom Lebensalter Prävalenzzahlen von bis zu 40 Prozent.

Ein Orthopädenteam um Dennis Liem von der Universitätsklinik Münster hat nun die Frage untersucht, wie häufig Patienten, die wegen symptomatischer, inkompletter oder kompletter Manschettenrisse an einer Schulter laparoskopisch operiert werden müssen, Rupturen an der kontralateralen Schulter aufweisen.

Den Ergebnissen zufolge sind bei zwei von drei behandelten Patienten auch Einrisse der Rotatorenmanschette an der anderen Schulter festzustellen (Am J Sports Med 2014; online 5. Februar).

Die Münsteraner Mediziner hatten 55 an der Schulter operierten Patienten ebenso viele Kontrollpersonen gegenübergestellt. Die sonografisch verifizierte Quote kontralateraler Rupturen der Supraspinatus-Sehne in der Patientengruppe betrug 67,3 Prozent, in der Kontrollgruppe an der entsprechenden Schulter elf Prozent.

Im Constant-Score zur Beurteilung der Schulterfunktion zeigten sich in wichtigen Parametern allerdings kaum Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Gesamtpunktzahl erreichte bei den Patienten im Mittel 85,6 und bei den Kontrollen 88,6 von bestenfalls 100 Punkten. Der Schmerzscore lag bei 13,2 bzw. 14,8 - 15 ist hier gleichbedeutend mit Schmerzfreiheit.

Etwas anders sah dies bei der Constant-Score-Rubrik "Alltagsaktivitäten" aus. Von optimalen 20 Punkten erreichten die operierten Probanden im Schnitt 18,4, die nicht operierten Kontrollpersonen 19,9. Der Unterschied von 1,5 Punkten war statistisch signifikant. Wie bedeutsam diese Differenz in klinischer Hinsicht ist, muss freilich dahingestellt bleiben.

"Patienten, die wegen eines partiellen oder kompletten Risses der Rotatorenmanschette behandelt worden sind, haben ein signifikant erhöhtes Risiko, auf der kontralateralen Seite ebenfalls eine Ruptur zu entwickeln", fassen Liem und seine Mitarbeiter ihre Erkenntnisse zusammen.

In den Alltagsaktivitäten weise die kontralaterale Schulterfunktion bei den Operierten zudem merkliche Defizite auf. Zumindest in der Hochrisiko-Gruppe der bereits an einer Schulter Behandelten sei ein regelmäßiges Screening daher als sinnvoll anzusehen. (rb)

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