Rheuma

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Medikamentöse Therapie der rheumatoiden Arthritis und ihrer Komorbiditäten

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung App, 11.12.2014

Skoliose

Wann Korsett-Therapie, wann Operation?

Nicht immer sind sich konservative und operative Orthopäden einig, ob Skoliose-Patienten mit einem Korsett oder operativ versorgt werden sollten. Jetzt sind neue Entscheidungskriterien vorgestellt worden.

Von Wiebke Kathmann

Wann Korsett-Therapie, wann Operation?

Skoliose: Bei einer Krümmung von . 40-50°sollte der Wirbelsäulenchirurg zum Zug kommen.

© Dan Race / fotolia.com

BERLIN. Vieles spricht dafür, dass bei Patienten mit einer Skoliose ab einer Krümmung von > 40-50° der Wirbelsäulenchirurg zum Zug kommen sollte.

Denn bei diesen Patienten ist während des Wachstums und nach Wachstumsabschluss in den folgenden vier Lebensdekaden je nach Skoliosetyp mit einer Winkelzunahme um 15-25° zu rechnen.

Daher plädierte Professor Henry Halm von der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie mit Skoliosezentrum der Schön Klinik Neustadt / Holstein dafür, diese Patienten zu operieren.

Denn bei einer Korrektur mit einem Korsett sei bei einer thorakalen Krümmung um 25-50° und einer thorakolumbalen Krümmung um bis zu 40° bestenfalls das Ergebnis zu halten, erläuterte Halm beim Deutschen Kongress der Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin.

Oft käme es aber zur Progredienz mit frühzeitigem Auftreten schmerzhafter degenerativer Veränderungen im Haupt- und Nebenkrümmungsbereich sowie zur Progredienz kardiorespiratorischer Einschränkungen.

Ziel: maximale Formkorrektur

Als Indikation zur Operation nannte Halm Thorakalskoliosen ab 45-50°, doppelbogige Skoliosen ab 35-50° und (Thorako)-Lumbalskoliosen ab 35-40°.

Ziel des Eingriffs seien eine maximale dreidimensionale Formkorrektur mit lotrechter Wirbelsäulenausrichtung und Schultergradstand, eine kurze Fusionsstrecke, Primärstabilität, ein gutes kosmetisches Ergebnis und die größtmögliche Sicherheit.

Die Korrekturprinzipien seien Distraktion (konkav), Kompression (konvex), Translation (am Apex) und - bei ventraler Operation - die Derotation.

Während bei Erwachsenen immer eine dorsale Operation erfolgt, bietet sich bei der idiopathischen Skoliose von Adoleszenten mit einbogig thorakaler oder einbogig (thorako)lumbaler Krümmung auch der ventrale Zugang an.

Er erlaube kurze Fusionsstrecken, eine exzellente Derotation und Spontankorrektur kompensatorischer Krümmungen und ginge mit einem geringen neurologischen Risiko (2 pro Mille bei 50 000 Fällen) und Risiko für Blutverlust und Infektionen einher, so Halm.

Fast nur dorsale Operationen

Die ventralen Doppelstabsysteme würden überlegene biomechanische Eigenschaften aufweisen und eine ideale Flachrücken-Korrektur ermöglichen. Bei ventraler Op könne eine fast optimale Korrektur in allen drei Ebenen erzielt werden, während bei dorsal eingebrachten Titanimplantaten oft Kyphose verloren würde.

Dennoch wird wegen der Lungenfunktionsdebatte heute fast ausschließlich dorsal operiert, auch wenn aktuelle Studien einen diesbezüglichen Unterschied zwischen ventraler und dorsaler Operation nicht bestätigen.

Die heute guten und schnellen Ergebnisse nach dorsalem Eingriff sind überzeugend, wie Dr. Bernd Wiesenhöfer, Sektion Wirbelsäulenchirurgie an der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie des Universitätsklinikum Heidelberg, betonte.

Dennoch bleibe der Nachteil gegenüber der ventralen Operation, dass weniger derotiert werden könne und trotz Weichteilschrauben ein Segment mehr für die Korrektur benötigt würde. Auch der Blutverlust und das Risiko für neurologische Komplikationen seien höher.

Als Vorteile nannte Wiesenhöfer, dass alle Kurventypen versorgt werden könnten, der Eingriff anästhesiologisch einfacher sei, es zu keiner Beeinträchtigung der Lungenfunktion komme, die Schulterfunktion kürzer beeinträchtigt, die Pseudarthrosenrate geringer und keine Thoraxdrainage erforderlich sei.

Die Langzeitergebnisse sind bei ventraler und dorsaler Operation gut. Ein Jahr nach dem Eingriff ist alles erlaubt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Herpes-Viren unter Alzheimerverdacht

Die Virus-Hypothese erhält neue Nahrung: Herpesviren könnten mit einer Alzheimererkrankung zusammenhängen. Eine Reaktivierung der Viren könnte die Krankheit befeuern. mehr »

Das alles muss das Verarbeitungsverzeichnis enthalten

Zur Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung müssen Arztpraxen ein "Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten" anlegen. Was darin alles aufgeführt werden muss, fassen zwei Medizinrechtler zusammen. mehr »

Übermüdete Teens oft adipös und hyperton

Sowohl zu kurzer als auch schlechter Schlaf erhöht bei Jugendlichen das kardiometabolische Risiko. In der bisher größten Studie zum Thema wirkten sich entsprechende Defizite negativ auf Taillenumfang, Blutdruck und Lipide aus. mehr »