Ärzte Zeitung, 06.02.2017
 

Achillessehnenriss

Kraftverlust nach konservativer Therapie

Werden Risse der Achillessehne, bei denen die Enden 1 cm und mehr klaffen, konservativ behandelt, hat dies offenbar Einbußen bei der Kraft der Plantarflexion zur Folge.

Von Robert Bublak

Kraftverlust nach konservativer Therapie

Riss mit Folgen: Patienten müssen nach konservativer Therapie der Achillessehne mit Kraftverlust rechnen.

© Jan-Otto / iStock

CAMBRIDGE. Die Studienliteratur zur Versorgung von Patienten mit Achillessehnenriss beschäftigt sich relativ umfangreich mit den Komplikationen – etwa der Rate erneuter Rupturen – im Zuge der verschiedenen therapeutischen Vorgehensweisen. Weniger ist darüber bekannt, wie die funktionellen Ergebnisse nach erfolgreichen Behandlungen aussehen und welche Faktoren diese Ergebnisse beeinflussen. Genau das aber ist in einer Zeit, da sich immer mehr Patienten mit Rupturen der Achillessehne konservativ behandeln lassen, besonders interessant.

Von diesem Interesse war auch eine Studiengruppe um John Lawrence vom Addenbrooke's Hospital im englischen Cambridge geleitet. Die Mediziner wollten wissen, welche Rolle die Distanz zwischen den Rupturenden für das funktionelle Resultat nach konservativer Behandlung einer Achillessehnenruptur spielt. 38 Patienten im Alter zwischen 29 und 78 Jahren, davon neun Frauen, waren an der prospektiven Kohortenstudie beteiligt (Bone Joint J 2017, online 4. Januar). Die Lücke zwischen den Enden wurde sonografisch bestimmt.

Sechs Monate nach Abschluss der konservativen Therapie und der Rehabilitationsmaßnahmen schätzten die Ärzte das Ergebnis mit einem dynamometrischen Test der Plantarflexion und anhand des Achilles Tendon Total Rupture Score (ATRS) ein. Mit dem ATRS werden Einschränkungen bei bestimmten Bewegungen, Tätigkeiten und allgemein im Alltag abgefragt.

Lücken von 1 cm und mehr, wobei das Knie gestreckt war und das Sprunggelenk in Neutralposition stand, führten im Sprunggelenk mit verheiltem Sehnenriss zu signifikant vermindertem Spitzendrehmoment im Vergleich zur gesunden Seite. Das Defizit betrug im Mittel 23 Prozent, verglichen mit 14 Prozent bei denjenigen Patienten mit Lücken von unter 1 cm. Allerdings gab es keine Unterschiede im ATRS zu vermerken. Es bestand auch keine direkte Korrelation zwischen Lückenweite und Drehmomentschwäche; offenbar besteht hier kein linearer Zusammenhang. Des Weiteren war auch keine signifikante Assoziation zwischen dem ATRS-Ergebnis und dem Defizit im Drehmoment festzustellen.

"Bei Lücken ab 1 cm nach einer Achillessehnenruptur werden die Defizite in der Plantarflexionsstärke signifikant größer", urteilen Lawrence und Kollegen über das Ergebnis der konservativen Therapie.

Verantwortlich dafür könnte die veränderte Muskelmechanik – eine Verschiebung der Kraft-Längen- Kurve nach rechts – durch die heilungsbedingt verlängerte Sehne sein. Die englischen Forscher glauben, dass die Messung der Distanz zwischen den Enden der gerissenen Sehne für die Therapieentscheidung wichtig sein kann, und zwar bei aktiven Patienten, denen der Kraftverlust womöglich zu schaffen macht. Sicher werde sich das aber erst sagen lassen, nachdem die Ergebnisse größerer Studien zu den funktionellen Resultaten vorliegen.

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