Ärzte Zeitung online, 05.02.2018

Rückengesundheit

Arbeit im Stehen hilft beim Abnehmen

Stehpulte zum Arbeiten sind beliebt - sie sollen vor allem dem Rücken Gutes tun. Jetzt fanden Forscher heraus: Sie nützen der Gesundheit noch mehr und auch der Figur – in mehrfacher Hinsicht.

Arbeit im Stehen hilft beim Abnehmen

0,15 Kalorien nehmen Arbeiter im Stehen zusätzlich ab – eine Studie empfiehlt zusätzliche Muskelbewegungen, um mehr rauszuholen.

© C. Schüßler / stock.adobe.com

ROCHESTER. Am Schreibtisch zu stehen statt zu sitzen, kann theoretisch beim Abnehmen helfen – allerdings nur mit geradezu preußischer Durchhaltekraft. Grund: Stehend verbrennt der Körper pro Minute 0,15 Kalorien mehr als sitzend, haben US-Kardiologen ausgerechnet.

Ein 65 Kilogramm schwerer Mensch würde in vier Jahren zehn Kilogramm an Gewicht verlieren, wenn er sechs Stunden am Tag steht statt sitzt.

Wem das nicht ausreicht, der kann den Effekt durch "zusätzliche Muskelbewegungen" beim Stehen noch vergrößern, schreiben die Kardiologen. Allerdings nur, wenn die Bewegungen nicht direkt zum Kühlschrank führen – denn die Forscher gehen davon aus, dass es beim sechsstündigen Stehen "keine zusätzliche Nahrungsaufnahme" gibt.

Vorteil geht über Gewichstverlust hinaus

"Stehen verbrennt nicht nur mehr Kalorien, die zusätzliche Muskelaktivität wird auch in Verbindung gebracht mit niedrigeren Raten an Herzattacken, Schlaganfällen und Diabetes", sagte Seniorautor Francisco Lopez-Jimenez von der Mayo Clinic in Rochester. "Die Vorzüge des Stehens könnten also über den Gewichtsverlust hinausgehen."

Für ihre Übersichtsarbeit hatten die Forscher, unklar ob stehend oder sitzend, 46 Studien mit insgesamt rund 1200 Teilnehmern ausgewertet.

In Deutschland gaben 2016 beim jüngsten DKV-Gesundheitsreport zum Thema 46 Prozent der Berufstätigen an, dass sie vorwiegend im Sitzen arbeiten. Schreibtischarbeiter sitzen demnach insgesamt satte elf Stunden am Tag.

Kreativschub mit eingebaut?

 Seit Jahren werben Ernährungsmediziner und auch Rückenexperten dafür, stundenlanges Schreibtisch-Hocken regelmäßig zu unterbrechen. "Lange am Stück unbewegt zu stehen ist aber auch keine Lösung", betonte der Sportmediziner Ingo Froböse zur Veröffentlichung des DKV-Gesundheitsreports. Denn auch dadurch könnten Probleme am Bewegungsapparat entstehen.

Am besten sei es, mehrere Male pro Stunde kurz aufzustehen, etwa zum Telefonieren.

Stehend zu arbeiten mache kreativer, sagte Ende 2015 eine andere US-Studie mit Callcenter-Mitarbeitern. Höhenverstellbare Schreibtische oder auch portable Tischaufsätze, die erlauben, stehend zu bearbeiten, könnten also auch bei der Jagd nach Geistesblitzen helfen. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Von der Party in die Notaufnahme

Nach reichlichem Genuss von Energy-Drinks entwickelt ein junger Patient einen Infarkt. Die Diagnostik zeigt einen überraschenden Befund - und wirft zusätzlich Fragen auf. mehr »

Webbasierter Arzneiplan bindet Pflege ein

Der schnelle Austausch zwischen Ärzten, Pflegern und Apotheken kann die Qualität der Arzneitherapie um 25 Prozent verbessern. Das zeigt das Projekt InTherAKT aus Münster. mehr »

Kleine Blutungen sind kein Grund, die Antikoagulation abzusetzen

Unter oraler Antikoagulation haben Patienten häufig Nasenbluten und andere kleinere Blutungen. Bedenklich sind solche lästigen Zwischenfälle aber nicht, bestätigt eine Registerstudie. mehr »