Ärzte Zeitung online, 15.04.2018

Mobilität

Wann wird Autofahren im Alter gefährlich?

Den Autoschlüssel endgültig abzugeben, ist für ältere Menschen oft ein schwerer Schritt. Ein Fragebogen liefert Hausärzten Anhaltspunkte, ob sie dazu raten sollten.

Von Beate Schumacher

Wann wird Autofahren im Alter gefährlich?

Alterstypische Veränderungen bereiten Senioren am Steuer häufig Probleme. Für den Arzt ist es oft schwer zu entscheiden, ab wann er dem Patienten zum Verzicht aufs Auto raten sollte.

© JackF /stock.adobe.com

Nachlassende Muskelkraft und Beweglichkeit, eingeschränktes Sehvermögen und verminderte Fähigkeit zum Multitasking: Solche alterstypischen Veränderungen bereiten Senioren am Steuer häufig Probleme. Oft werden die Schwierigkeiten durch ein verändertes Fahrverhalten – geringe Geschwindigkeiten, nur bei Tageslicht – kompensiert. Damit könnten die Betroffenen oft noch eine Zeitlang recht sicher fahren, hat Privatdozent Dr. Albert Lukas, Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard in Bonn, beim Internistenkongress berichtet.

Anders als es die Diskussion um Fahrtests für Ältere oft suggeriert, sind Menschen über 65 in der Unfallstatistik sogar unterrepräsentiert. Allerdings sind alte Menschen, die an Autounfällen beteiligt sind, häufiger die Hauptverursacher und sie sterben auch häufiger dabei als jüngere Menschen. "Der ältere Autofahrer ist zwar ein Gefährder, aber das absolute Risiko ist gering. Er ist vielmehr der Gefährdete", sagte Lukas.

Als Hilfsmittel, mit dem sich "kritische Kandidaten" mit hoher Spezifität und Sensitivität erkennen lassen, empfiehlt der Geriater den Fragebogen SAFE. Gefragt wird etwa nach der Fahranamnese, darunter fallen neben Unfällen auch Angaben von Angehörigen, sich als Beifahrer unsicher zu fühlen. Weitere Kriterien sind etwa die Bewältigung von Alltagsaktivitäten, Sehvermögen, HWS-Beweglichkeit sowie kognitive Leistungsfähigkeit und Flexibilität. "Ab einem MMST von 24 sollte man das Auto stehen lassen", ergänzte Professor Dr. Andreas Jacobs, Neurologe aus Bonn. Neben einer Demenz können theoretisch auch viele andere Erkrankungen, etwa KHK und Herzinsuffizienz, Diabetes, zerebrale Ischämien oder Parkinson, die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. An negative Auswirkungen von Arzneien ist besonders bei Therapie mit Psychopharmaka, Hypnotika und Sedativa(vor allem Benzodiazepine), Analgetika, Antidiabetika und Antihypertensiva zu denken.

Bei Fahreignungsmängeln ist der Arzt gesetzlich verpflichtet, eine Sicherheitsaufklärung zu machen und Verhaltensempfehlungen bis hin zum ärztlichen Fahrverbot zu geben. Diese Sicherheitsaufklärung sollte sorgfältig dokumentiert werden, wie Rechtsanwalt Dr. Sebastian Almer aus München betonte. Falls ein Patient trotz ärztlichen Fahrverbots weiter Auto fahren will und nicht zurechnungsfähig ist, reichen die Pflichten des Arztes sogar so weit, dass er die Fahrt verhindern muss, gegebenenfalls indem er die Polizei ruft.

dggpp.de/Arbeitsmaterial/docs/Fahren/SAFE_deutsch.pdf

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