Ärzte Zeitung online, 02.08.2018

Nach Außenbandriss-Op

Frühe Teilbelastung bringt Vorteile

Wird nach einem Außenbandriss eine Operation fällig, um das Band wiederherzustellen, bleibt oft die Frage: Soll das Knie wochenlang geschont oder schnell (teil-)belastet werden? US-Forscher kommen zu einem klaren Ergebnis.

Von Elke Oberhofer

Frühe Teilbelastung bringt Vorteile

Nach operativer Rekonstruktion des Außenbands am Knie raten US-Forscher bereits nach wenigen Tagen zu einer Teilbelastung. In ihrer randomisierten Studie hatte das offenbar keine nachteiligen Auswirkungen auf die Kniestabilität.

© kogge / stock.adobe.com

VAIL. Zum postoperativen Vorgehen nach Rekonstruktion des Kniegelenk-Außenbands (Ligamentum collaterale fibulare) gehen die Meinungen derzeit auseinander.

Während die einen aus Sorge vor einem Transplantatversagen zur vier- bis sechswöchigen Schonung raten, propagieren die anderen bereits sehr früh eine zumindest teilweise Belastung der betroffenen Extremität.

Diese beiden Strategien hat nun ein Team aus Vail im US-Bundesstaat Colorado in einer randomisierten kontrollierten Studie verglichen (Am J Sports Med 2018; online 17. Juli).

Daran beteiligt waren 39 operativ versorgte Patienten mit einer Ruptur 3. Grades des Ligamentum collaterale fibulare. Patienten mit radiärem Meniskusriss und Wurzelriss waren von der Studie ausgeschlossen, ebenso Patienten, die eine Osteotomie benötigten.

Die Operation konnte entweder als alleiniger Eingriff oder in Kombination mit einer Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands (ACL) durchgeführt worden sein. Dabei stammte das Transplantat für die Außenbandplastik in allen Fällen von der Sehne des M. semitendinosus.

Vollentlastung versus Teilentlastung

Die eine Hälfte der Patienten bildete die Kontrollgruppe: Sie durften sich während der ersten sechs Wochen nach der Op auf Krücken fortbewegen, mussten das betreffende Bein während dieser Zeit jedoch vollständig entlasten.

Die andere Gruppe dagegen sollte bereits ab dem dritten postoperativen Tag das Bein unter Zuhilfenahme von Krücken mit etwa 40 Prozent ihres Körpergewichts belasten – was sie mithilfe einer Waage geübt hatten.

Während die Kontrollpatienten sechs Wochen lang einen Immobilizer tragen mussten, wurde dieser in der Interventionsgruppe nach zwei Wochen durch eine Orthese ersetzt. Die Belastungsgruppe durfte außerdem bereits zu diesem Zeitpunkt mit dem Spinning auf einem Heimtrainer beginnen. Übungen zur Verbesserung der ROM (Range of Motion) hatten alle Patienten ab dem ersten postoperativen Tag durchgeführt.

Varus-Stresstest misst Kniestabilität

Als primärer Endpunkt diente die röntgenologisch ermittelte Seit-zu-Seit-Differenz (SSD) zum gesunden Knie im Varus-Stresstest, gemessen ein halbes Jahr postoperativ. Wie das Team um Dr. Robert F. LaPrade von der Steadman Clinic berichtet, hatte sich die SSD zwischen lateralem Femurkondylus und Tibiaplateau bei seitlichem Dehnen in beiden Gruppen signifikant verringert: bei den Kontrollpatienten von 2,5 mm präoperativ auf -0,2 mm und in der Gruppe mit Teilbelastung von 2,4 mm auf -0,3 mm.

Die Schmerzen im Knie hatten bereits nach sechs Wochen in beiden Gruppen signifikant nachgelassen (im Mittel minus 3 Punkte auf der 10-Punkte-Likert- Skala). Nach einem halben Jahr waren nahezu alle Patienten schmerzfrei.

In gleichem Maße verbessert hatte sich auch die Beugefähigkeit (nach sechs Wochen im Mittel um 66°, zwischen sechs Wochen und einem halben Jahr noch einmal um 16°). Und schließlich schienen die Patienten beider Gruppen mit dem jeweiligen Vorgehen etwa gleich zufrieden zu sein, wie unter anderem die Ergebnisse im WOMAC und in der Lysholm Knee Scoring Scale andeuteten, wenngleich das Knie bei früher Belastung nach einem halben Jahr im Vergleich noch etwas dicker war.

Ergebnisse gleichwertig

Die Teilbelastung habe objektiv und subjektiv zu Ergebnissen geführt, die mit der Vollentlastung gleichwertig seien, so das Fazit der Studienautoren: Die Varus-Stabilität war in beiden Fällen wiederhergestellt, und es habe keine Anzeichen für eine Elongation des Transplantats gegeben.

"Dieser Befund stützt Programme mit frühzeitiger Teilbelastung zur Versorgung von Patienten mit isolierten oder auch kombinierten Außenbandverletzungen", resümieren LaPrade et al.

Frühere Studien hätten bereits gezeigt, dass ein kurz nach der Operation einsetzendes Belastungsprogramm vor Osteopenie, Muskelatrophie und Thrombose schützen könne. Außerdem könne damit verhindert werden, dass die Beweglichkeit im Knöchel abnimmt.

Demnach sei Patienten mit Außenbandriss postoperativ in der Regel die frühe Belastung auf 40 Prozent vom Körpergewicht zu empfehlen.

Quelle: www.springermedizin.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »

Diabetes-Strategie zum Greifen nah

Der gezielte Kampf gegen Diabetes könnte schon bald konkrete Formen annehmen. Zum heutigen Welt-Diabetestag zeichnet sich zwischen Union und SPD ein Kompromiss für eine nationale Diabetes-Strategie ab. mehr »