Ärzte Zeitung, 05.05.2004

Wenn Kortison am Knochen nagt, hilft Alendronat

WIESBADEN (awa). Die Glukokortikoid-induzierte Osteoporose ist die häufigste sekundäre Form der Knochenbrüchigkeit. Schon bei geringen Dosierungen einer längerfristigen Glukokortikoid-Therapie erhöht sich das Risiko für Frakturen. Seit Februar dieses Jahres ist auch das Bisphosphonat Alendronat zur Behandlung bei Glukokortikoid-induzierter Osteoporose zugelassen, und zwar bei postmenopausalen Frauen, die keine Östrogene einnehmen.

"Der steroidinduzierte Knochendichteverlust ist im Verlauf der ersten sechs Monate der Therapie am höchsten. Und je höher die Glukokortikoiddosis und je länger die Therapiedauer, desto größer ist das Frakturrisiko."

Das berichtete Privatdozent Walter Josef Faßbender von der Universität Frankfurt am Main auf dem Internistenkongreß in Wiesbaden. Schon eine Tagesdosis ab 2,5 mg eines Prednisolonäquivalents erhöhe das Risiko für Wirbelkörperfrakturen. Betroffen sind vor allem Patienten mit rheumatoider Arthritis, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und COPD.

Der Dachverband Osteologie (DVO) empfiehlt in seiner Leitlinie zur Behandlung von Frauen in der Postmenopause mit Glukokortikoid-induzierter Osteoporose zusätzlich zur Basistherapie mit Calcium und Vitamin D3 ein Bisphosphonat. Da Alendronat (Fosamax®) erst nach Fertigstellung der Leitlinie für diese Indikation zugelassen wurde, konnte dieses Bisphosphonat Faßbender zufolge auch noch nicht aufgenommen werden.

Männer und postmenopausale Frauen mit Glukokortikoid-induzierter Osteoporose sollten als Basistherapie 1000 bis 1500 mg Calcium und 400 bis 800 IE Vitamin D3 erhalten. Faßbender wies bei einem MSD-Symposium darauf hin, daß es für Männer zwar keine spezielle Zulassung eines Bisphosphonats für die Glukokortikoid-induzierte Osteoporose gibt, aber Alendronat ebenfalls für die Osteoporose bei Männern in der Dosierung von einmal täglich 10 mg zugelassen ist.

Erhalten die Patienten mindestens 7,5 mg Prednisolonäquivalent für mindestens sechs Monate, und haben sie bereits eine verminderte Knochendichte, und zwar einen T-Score von -1,5, sollte nach DVO-Leitlinie eine Bisphosphonat-Therapie begonnen werden. Der T-Score beschreibt die Standardabweichung vom Mittelwert der Knochendichte junger gesunder Frauen.

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