Ärzte Zeitung, 20.12.2004

Worauf es bei der Osteoporose-Behandlung ankommt

Rascher Schutz vor vertebralen und nicht vertebralen Frakturen durch Bisphosphonat / Studienergebnisse zu Risedronat / Expertengespräch

BAD SODEN (ikr). Ein wesentliches Ziel bei der Osteoporose-Therapie ist es, Frakturen vorzubeugen - und zwar rasch, haben Osteoporose-Spezialisten bei einem Gespräch in Bad Soden im Taunus betont. Für eine effektive Fraktur-Prophylaxe kommt es nach Angaben der Experten nicht allein darauf an, die Dichte des Knochens zu erhöhen, da Knochendichte und Frakturrate nur zum Teil miteinander korrelierten. Wichtig sei auch, die Mikroarchitektur zu stabilisieren, also die Knochenqualität zu verbessern. Dies trage wahrscheinlich maßgebend zur Senkung des Frakturrisikos bei.

Die Frakturdaten aus klinischen Studien seien ein wesentliches Kriterium für die Positionierung von Medikamenten in den Leitlinien des Dachverbands Osteologie (DVO) zur Osteoporose-Therapie, sagte bei dem Gespräch in Bad Soden Privatdozent Dr. Peyman Hadji aus Marburg, der an den Leitlinien mitgearbeitet hat.

Zu den Mitteln der ersten Wahl für die Fraktur-Prophylaxe bei Frauen in der Postmenopause mit Osteoporose gehört nach den DVO-Leitlinien auch das Bisphosphonat Risedronat (Actonel®).

Rate der Wirbelfrakturen ist halbiert worden

Und für diese Empfehlung gibt es gute Gründe: So war in einer Studie mit 1226 Osteoporose-kranken Frauen in der Postmenopause nach drei Jahren Therapie mit Risedronat die Rate der neuen Wirbelfrakturen um 49 Prozent geringer als in der Placebo-Gruppe (53 versus 89 Frakturen). Und die Rate der nicht-vertebralen Frakturen war um 33 Prozent geringer.

      Stabilisierte Mikroarchitektur ist vermutlich ein guter Schutzfaktor.
   

Die Frauen erhielten täglich 5 mg Risedronat oder Placebo. Alle Frauen erhielten zusätzlich 1000 mg Kalzium täglich und bei Vitamin-D-Mangel auch noch 500 I.E. Vitamin D.

Einen starken Schutz bietet Risedronat auch vor Hüftfrakturen, wie die Ergebnisse der HIP-Studie (Hip Intervention Program) mit über 9000 Frauen zwischen 70 und 79 Jahren belegen. Innerhalb von drei Jahren traten 232 Hüftfrakturen auf.

Die Rate solcher Frakturen war bei Frauen mit densitometrisch nachgewiesener Osteoporose, die Risedronat erhalten hatten, signifikant um 40 Prozent geringer als in der Placebo-Gruppe und bei Frauen mit klinisch manifester Osteoporose, also mit mindestens einer Wirbelfraktur vor Therapiebeginn, sogar um 60 Prozent verringert.

Mit jeder Fraktur steigt das Risiko für weitere Brüche

Bei Patienten mit Osteoporose sei es wichtig, daß sie möglichst rasch vor Frakturen geschützt werden, sagte Professor Johann Diederich Ringe aus Leverkusen bei der Veranstaltung von Aventis Pharma Deutschland, einem Unternehmen der Sanofi-Aventis-Gruppe. Denn: Etwa jede vierte bis fünfte Frau mit einer frischen, osteoporotischen Wirbelkörperfraktur erleide innerhalb eines Jahres eine weitere Fraktur. Mit Risedronat wird die Rate der vertebralen und nicht-vertebralen Frakturen nach neuen Studiendaten bereits nach sechs Monaten signifikant gesenkt, wie Ringe berichtet hat.

Und was ist mit dem Parameter Knochendichte?

Risedronat erhöht die Knochenmineraldichte bei Frauen mit Osteoporose in der Postmenopause. Aber nicht nur. Das Bisphosphonat stabilisiert außerdem die Mikroarchitektur und erhält den Mineralisierungszustand des Knochens, wie die Ergebnisse von Knochenbiopsien jetzt belegen. Danach normalisiert Risedronat die Knochenmineralisation nach fünf Jahren Therapie auf das Mineralisations-Niveau von gesunden Frauen in der Prämenopause.

Die Aussagewert von Knochendichte-Messungen sollte nach Ansicht der Experten in Bad Soden aber nicht überschätzt werden. "Die Knochendichte gilt zwar nach wie vor als ein wesentlicher Parameter für die Osteoporose-Diagnostik, aber zur Kontrolle des Therapieverlaufs ist sie nur bedingt geeignet", sagte Professor Dieter Felsenberg aus Berlin.

Begründung: Mittlerweile stehe fest, so Felsenberg, daß die Knochendichte nur zu maximal 30 Prozent mit der Frakturrate korreliert. Aus mehreren klinischen Studien lasse sich ableiten, daß mit zwei verschiedenen Substanzen die Frakturrate ähnlich stark gesenkt werden kann, obwohl die Knochenmineraldichte unterschiedlich stark erhöht wird.

"Verringert sich bei einer Patientin nach mehrjähriger Therapie die Knochendichte, sollte auch dann, wenn sich noch keine Fraktur ereignet hat, eine weitergehende Diagnostik erfolgen", sagte Privatdozent Andreas Kurth aus Frankfurt am Main. Hier könne es sich um eine Therapieresistenz, mangelnde Compliance oder eine Fehldiagnose handeln. Nach den DVO-Leitlinien sollte die Knochenmineraldichte nicht vor Ablauf von zwei Jahren nach dem Therapiebeginn kontrolliert werden.

Welchen Stellenwert für die Therapiekontrolle bei Patienten mit Osteoporose haben biochemische Marker für den Knochenabbau (zum Beispiel Hydroxyprolin, Hydroxylysin oder Kollagen-Telopeptide) oder Marker für den Knochenaufbau (zum Beispiel alkalische Phosphatase, Osteocalcin oder Kollagen-Polypeptide)?

Nach den Leitlinien des Dachverband Osteologie sind solche Laborparameter für die routinemäßige Anwendung in der täglichen Praxis nicht geeignet. Allerdings: Mit Hilfe solcher Marker ließen sich zum Beispiel Compliance-Probleme oder Therapieresistenz erkennen.

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