Ärzte Zeitung, 15.03.2005

Bei Darmproblemen an Osteoporose denken!

Nach Ulkusblutung wird nicht selten Osteoporose diagnostiziert / NSAR werden oft ohne Wissen der Ärzte genommen

BASEL (KHS). Die "Unterrepräsentanz der Osteologie in der Gastroenterologie" hat Dr. Joachim Teichmann beim Kongreß "Osteologie 2005" in Basel beklagt. So sei ein Patient etwa mit chronischem Durchfall grundsätzlich als osteologischer Risikopatient anzusehen.

Bei einer Pressekonferenz zum Kongreß erinnerte der Oberarzt an der Medizinischen Klinik C des Klinikums Ludwigshafen daran, daß etwa Patienten nach abdominalchirurgischen Voroperationen längerfristig häufig eine Osteoporose entwickeln, besonders nach einer Billroth-II-Operation, nach einer Operation nach Whipple und bei einem Kurzdarmsyndrom.

    Risiko besteht nicht nur beim Kurzdarm.
   

Auch bei dem "vermeintlich einfachen Problem einer Dysphagie" solle außer an die Hauptursachen Speiseröhrentumor, Refluxkrankheit oder Hiatushernie daran gedacht werden, daß zwischen Hiatushernie und osteoporotischer Brustwirbelsäulenkyphose ein statistischer Zusammenhang besteht.

Teichmann wies darauf hin, daß die langfristige Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) durch Patienten ohne medizinisch klare Indikation immer auch an eine mögliche Osteoporose denken lassen sollte. Es genüge nicht, etwa einer Ulkusblutung nachzugehen, sondern durch Befragung und Untersuchung müsse auch nach einer bis dahin vielleicht nicht diagnostizierten Osteoporose gefahndet werden.

In einer Untersuchung mit 74 Patientinnen im Alter von 52 bis 83 Jahren mit Ulkusblutung nach NSAR-Einnahme sei diese Therapie bei 55 Patientinnen ohne Kenntnis einer Diagnose oder Indikation erfolgt. 28 der Patientinnen hätten die Mittel ohne Wissen des betreuenden Arztes eingenommen, so Teichmann.

Bei 14 Frauen sei die Diagnose einer Osteoporose nach der Ulkusblutung erstmals gestellt worden. Eine einfache nativ-radiologische Untersuchung der Brust- und Lendenwirbelsäule der Frauen habe bereits genügt, die Verdachtsdiagnose einer bis dahin unerkannten Osteoporose zu stellen und in einem hohen Prozentsatz dieser Patientinnen in weiterführenden Untersuchungen auch zu bestätigen.

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