Ärzte Zeitung, 13.04.2005

Fraktur-Patienten erhalten zu selten Osteoporosetherapie

Aktuelle Daten des Frakturregisters decken Versorgungslücken auf / Lediglich 20 Prozent erhalten bei der Entlassung ein Bisphosphonat

DRESDEN (djb). Osteoporose und Stürze sind die Hauptursachen für Femur- oder Radiusfrakturen. Aber aktuelle Daten des Frakturregisters machen deutlich, daß in deutschen Akut- und Reha-Kliniken solche Zusammenhänge noch zu wenig Beachtung finden.

Dies hat Professor Ludger Pientka von der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation der Universitätsklinik in Bochum in Dresden gesagt.

In einer bundesweiten Erhebung wurden die Daten von 16  522 Patienten ausgewertet, die in Akut- oder Reha-Kliniken wegen einer Fraktur behandelt wurden, berichtete Pientka bei einer vom Unternehmen MSD ausgerichteten Veranstaltung.

83 Prozent der Patienten im Register hatten eine proximale Femurfraktur und 14 Prozent eine Radiusfraktur. Sieben Monate nach dem Ereignis wurden die Patienten telefonisch interviewt.

Obwohl viele Patienten Risikofaktoren für eine Osteoporose hatten, etwa frühere Frakturen oder Größenverlust, wurden in den Akut-Kliniken nur 18 Prozent der Patienten mit Femurfraktur auf vorangegangene Wirbelfrakturen untersucht, und bei nur drei Prozent wurde die Knochenmineraldichte gemessen.

Nur sehr wenige Patienten erhielten bei der Entlassung aus der Klinik eine leitliniengerechte Osteoporosetherapie, wie Pientka betonte, etwa Bisphosphonat (6,3 Prozent), Kalzium (8,4 Prozent) oder Vitamin D (5,7 Prozent).

In den Reha-Kliniken hatten 30 Prozent der Patienten Osteoporose-Risikofaktoren, und über 60 Prozent hatten eine Sturzanamnese. Bei etwa 60 Prozent hatten die Ärzte zwar den Verdacht auf Osteoporose geäußert.

Dennoch erhielten 83 Prozent keine Diagnostik, und lediglich 20 Prozent wurden bei Entlassung mit einem Bisphosphonat behandelt. Sieben Monate nach dem Reha-Aufenthalt nahmen nur noch zwölf Prozent ein solches, nach den Leitlinien der DVO empfohlenes Mittel ein.

Eine Fraktur sei der stärkste Risikofaktor für eine Folgefraktur, hob Pientka hervor. 29 Prozent der Patienten mit proximaler Femurfraktur hatten bereits zuvor Frakturen erlitten. Bei etwa drei Prozent der Patienten aus dieser Gruppe kam es binnen sieben Monaten zu einem weiteren Knochenbruch.

Eine Bisphosphonat-Therapie reduziert die Rate vertebraler und nicht-vertebraler Fakturen signifikant im Vergleich zu Placebo. Mit Alendronat (Fosamax®) läßt sich das Risiko für Hüftfrakturen um 63 Prozent nach 18 Monaten vermindern, wie die FIT-Studie gezeigt hat.

30 bis 50 Prozent aller zu Hause lebenden Personen über 65 Jahren stürzen mindestens einmal pro Jahr. Dabei erleiden zwei bis sechs Prozent der Gestürzten Frakturen. Stürze verursachen etwa fünf Prozent aller Gesundheitsausgaben für Ältere. Außerdem: Die 1-Jahres-Mortalität von Patienten mit hüftgelenksnahen Frakturen liegt je nach Alter des Betroffenen zwischen 13 und 30 Prozent.

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